Samstag, 5. Mai 2018

FremOld auf der Jahrestagung 2018 in Rastede

Im zweijährigen Wechsel wird die Jahrestagung des Fremo als Großtreffen mit Modularrangements möglichst vieler Gruppen ausgetragen. 2018 war man mal wieder, nach 2012, in der Sechsfachsporthalle in Rastede zu Gast. Die FremOld Gruppe durfte ebenfalls eine eigene Anlage zeigen.


Panoramaaufnahme der Sporthalle Feldbreite auf der Jahrestagung Rastede 2018 mit allen Arrangements.

Einmal mehr hatte Oliver eine schöne Streckenführung zusammengebaut, und mit unseren Freunden aus dem Leipziger, Hannoveraner und Hamburger Raum konnten wir eine Anlage mit acht Betriebsstellen zeigen. Die Dekoration war, da legen wir großen Wert drauf, auf das Jahr 1928 abgestimmt. Das versteht sich natürlich auch auf das Rollmaterial.


Pferde und Fuhrwerke belebten dieses mal die Ladestraße von Ondrup.

Los ging es im Schattenbahnof Leipzig-Waren, der sich die Güterzugbildung mit dem anderen Schattenbahnhof teilte. Der Fahrplan war außerdem wieder als Nachtfahrplan von 18 bis 6 Uhr aufgebaut. So fuhren zu Beginn und am Ende der Sessions einige Personenzüge, ansonsten erfolgte die Fahrgastbeförderung, vor allem auf dem Nebenbahn, mittels GmP.


Züge im Schattenbahnhof Leipzig-Wahren.

Ondrup war Kreuzungsbahnhof, der einmal täglich von Nahgüterzügen bedient wurde. Außerdem gab es einen Übergang von Expressgut, und einen von Vieh zu bewerkstelligen.


Ein Nahgüterzug wird gleich mit der Zustellung der Wagen für Ondrup beginnen.

Nach einer weiteren langen Kurve erreichte man Bülthausen mit seiner Sandverladung. Auch hier wurden Güter mit Nahgüterzügen zugestellt, die auch den Sandverkehr aus der Formsandverladung übernahmen. Interessant war das Konzept, dass der erste Nahgüterzug des Fahrplans die Güterwagen für den entgegen kommenden späteren Nahgüterzug vorsortierte. Somit gab es sowohl in Bülthausen, als auch in Ondrup einen Sortierer, der dann jeweils im anderen Bahnhof zum Abholer wurde.


Alles ist bereit für die nächste Bedienung von Bülthausen.

Hinter Bülthausen befand sich die Abzweigstelle Kattenstroht. Diese im Winter neu entstandene Betriebsstelle teilte den Verkehr in Richtung Hauptbahn nach Pappelau und Emden, auf der Nebenbahn nach Kleinhauserfehn, Hasselbeck, Eichfelden und nach Wilhelmsberg mit den Hafenanschluss Kirchenpauerkai.


Am Abzweig Kattenstroht wartet ein Güterzug auf die Weiterfahrt nach Bülthausen.

Folgen wir also zunächst der Nebenbahn. Kleinhauserfehn ist zwar für die frühe Epoche III konzipiert, aber aufgrund des dörflichen Charakters fällt das bis auf einige Kleinigkeiten nicht auf. Hier wurden die Frachten mit dem GmP zu gestellt. Durch die Schlüsseltechnik war der Betrieb im dem unbesetzten Bahnhof etwas anspruchsvoller, genau wie in der Anschlussstelle Hasselbeck.


Rangierarbeiten im Bahnhof Kleinhauserfehn.

Die Betriebsstelle Eichfelden war wiederrum besetzt. Hier erfolgten viele Kreuzungen für den Güterverkehr zum und aus dem Hafengebiet Wilhelmsberg. Für den Personenverkehr war Eichfelden der Endpunkt. Ebenfalls an Eichfelden angeschlossen war ein Brauereianschluss.


Nahgüterzug und GmP begegneten sich in Eichfelden.

Wilhelmsberg mit dem Hafenanschluss Kirchenpauerkai war ein großer Betriebspunkt. Besonders die Kohleverladung mit großer Sturzbühne verlangte nach vielen Wagen. Es fuhr täglich ein Ganzzug mit Kohle nach Wilhelmsberg, der dann mit der speziell für den engen Radien im Hafengebiet konzipierten Lok der Baureihe 87 zugestellt wurde, die 1928 noch flammneu waren.


Die Sturzbühne am Kirchenpauerkai.

Auf der Hauptbahn ging es hinter Kattenstroht über den noch nicht gestalteten Bahnhof Pappelau zum zweiten Schattenbahnhof Emden.

Einzige Neuerung in Ondrup war, dass ich endlich mal eines meiner vor zwei Jahren erworbenen Vorsignale in Betrieb nehmen konnte. So zierten einige Signale meinen Brückenmodul über die alte Fahrt.


Beweisfoto für die Benutzung von Abstandstafeln und das Vorsignal.

Insgesamt waren die vier Tage in Rastede recht kurzweilig. Aufgrund des vielen Betriebes, den wir gemacht haben, bin ich kaum dazu gekommen mir die anderen Anlagen anzuschauen. In meiner Galerie finden sich aber trotzdem ein paar Impressionen der anderen Hallenteile.

Noch ein paar mehr Bilder von mir gibt es hier zu sehen: Galerie Jahrestagung Rastede 2018

Dienstag, 24. April 2018

Nachbau der Dürener Dreigurtbrücke Teil 1

Nach der Ondruper und der Lüdinghauser Kanalbrücke brauchte ich für 2018 ein neues Projekt. Beim FremOld Treffen in Leipzig hatte ich mich am Vorabend des 1. Advent 2017 dazu hinreißen lassen, anzukündigen jetzt auch mal Module mit zwei Gleisen zu bauen. Einige Wochen zuvor hatte ich auf der Rückreise aus dem Kurzurlaub der Dreigurtbrücke in Düren einen Besuch abgestattet, und nun juckte es, daraus ein Modulprojekt zu machen.


Ein Talentfrei am 03.11.2017 auf der Dürener Dreigurtbrücke über die Rur.

Zur Geschichte: Die Bahnstrecke Köln-Aachen wurde am 01.09.1841 eröffnet. Bereits 1845 wurde die Strecke aufgrund des starken Verkehrsaufkommens, die Strecke führte ins benachbarte Belgien, zweigleisig ausgebaut. Westlich von Düren überquert diese Bahnstrecke die Rur, ein Fluss der in der Eifel entspringt, und bei Roermond in die Maas mündet. In den 1920er Jahren stellte die neu gegründete Reichsbahn fest, dass diese massive fünffach geteilte Steinbogenbrücke nicht mehr standfest war. Aufgrund der weggeschwemmten Sicherung der Sohle waren die Fundamente unterspült worden, ein Sanierung wäre einem Neubau gleich gekommen.


Kaum erkennbar und schlecht zu erreichen ist die Rurbrücke heute.

In der Zeitschrift "Die Bautechnik" hatte der Brückendezernent der Reichsbahndirektion Köln Dr. Ing. Tils in der Ausgabe Nr. 38 vom 04.09.1928 einen Aufsatz über die technischen Möglichkeiten zum Bau einer Brücke mit nur drei Trägern veröffentlicht. Da diese Konstruktion nun ausgeführt werden sollte, und die in Düren neu zu errichtende Brücke mit einer Stützweite von 78 m ohne Stützpfeiler leicht über der Grenze von 75 m lag, ab der man sich Einsparungen bei den Material- und Baukosten erhoffte, wurde bei der Firma Dörnen in Dortmund der Bau der Brücke in Auftrag gegeben. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Tief- und Fundamentarbeiten von der Firma Dyckerhoff ausgeführt wurden.


Total zugewuchert ist die Brücke nur fußläufig über Wanderwege erreichbar.

In der Zeit zwischen 1928 und 1930 wurde die neue Brücke direkt neben der alten Steinbogenbrücke errichtet, von der sogar einige Teile abgebrochen werden musste. Die Strecke verläuft im Bereich der Rurquerung in einem langen Bogen. Die neue Brücke wurde nach innen versetzt, die Gleis und der Bahndamm wurden nach innen verlegt. Die Eröffnung der neuen Konstruktion erfolgte am 03.08.1930.


Blick auf das Tragwerk und die massiven Längsträger.

Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurde die Brücke zerstört. Fotos lassen auf eine gezielte Sprengung dieses wichtigen Flussübergangs schließen. Der Wiederaufbau erfolgte jedoch zügig. 1964 wurde die Strecke elektrifiziert und entsprechende Träger an der Brücke nachgerüstet. Unter Denkmalschutz steht sie seit 1989.


Der Blick längs der Brücke von unten zeigt die gigantischen 2 m hohen Rippen, welche die beiden unteren Längsträger miteinander verbinden.

Die Recherche zum Vorbild brachte viele Bilder vom Bau der Brücke zum Vorschein, da der oben genannte Dr. Ing. Tils in der Bautechnik 1931 in den Heften 6 und 8 auf mehreren Seiten berichtete. Auch in der Schweizer Bauzeitung 1931 Heft 17 findet sich der Bericht eines Schweizer Bahnbeamten. Bisher konnte ich nicht heraus finden, um welche Zeitschrift es sich bei "Z.d.B. 1931, Nr. 22" handelt, in der sich ebenfalls ein Artikel finden soll. Auch die MIBA hat der Brücke sowohl einen Bericht zum Vorbild und Bauvorschläge (MIBA 10/91 S.28 ff.) und einen Baubericht eines Modellbahners aus Messing (MIBA 02/95 s.24 ff.) gewidmet.


An meinem provisorischen Arbeitsplatz auf dem Esstisch liegen hier schon die ersten Bauteile.

Einen Nachbau der Brücke wollte ich auf die gleiche Weise durchführen, wie den der Lüdinghauser Dreigurtbrücke. Meine letzten Polystyrol Reserven wurden zusammen gekratzt und es konnte los gehen. Hauptsächlich kam wieder die Materialstärke 1 mm zum Einsatz, aber auch einige 0,5 und 1,5 mm starke Teile musste ich herstellen.


Jede Menge Werkzeuge, die ich für meine mittlerweile gut erprobte Bautechnik benutze.

Nach leidigen Erfahrungen mit der Montage der vielen Kleinteile der Lüdinghauser Brücke habe ich dieses mal mehr auf die vorherige Herstellung von Lehren gesetzt. Dadurch wird die Herstellung exakter und deutlich beschleunigt, weil nicht vor jedem sich dauernd wiederholenden Schritt vorher die Maße angerissen werden müssen.


Lehren erleichtern die Montage der Kleinteile.

Auch neue Werkzeugtechnik kam zum Einsatz, denn ich habe mir auch eine Proxxon Tischkreissäge zugelegt. Bei der Herstellung der Schnitte in den Rippen hat das die Arbeit sehr erleichtert.


Einsatz der Proxxon Tischkreissäge beim Bau der Rippen.


Die sieben fertigen Rippen stehen bereit.

So konnte ich bereits nach einer guten Woche Richtfest feiern und die Brücke erstmals zusammen stellen, um einen Eindruck von der Wirkung des Modells zu erhalten.


Stellprobe mit den provisorisch zusammengesetzten Rippen und Fahrbahnträgern.

In den nächsten Tagen berichte ich weiter vom Bau des Brückenmodells, über den ersten Mai geht es aber jetzt zur Fremo Jahrestagung.

Samstag, 24. März 2018

Brawa Umbauwagen 3yg Teil 3: Patinierung

Die ganze Show im Innenraum ist zwar auf den zweiten Blick ein riesen Spass, aber eigentlich schaut man sich die Modellbahnfahrzeuge zuerst von außen an. Für die mehr oder weniger gelungene Formgebung zeichnet der Hersteller verantwortlich. Und der hat in diesem Fall großartige Arbeit geleistet. Anders sieht es bei der Farbgebung aus. Die Wagen sehen frisch aus der Schachtel aus wie frisch aus dem Ausbesserungswerk. Ich bin zwar kein Fan von übertriebenen Gammel-Patinierungen, aber typische Betriebsspuren müssen sein.


Das AB/BD3yg Pärchen im DGEG Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen. Gut erkennbar sind die silbernen Trittroste und leichte Verschmutzungen am Fahrwerk.

Zunächst einmal geht es den Auftritten mit dem Pinzel an den Kragen. Die optimale Lösung wäre ein Tausch gegen die durchbrochenen Neusilbertritte von Weinert Modellbau (sofern diese eigentlich für den 4yg bestimmten Teile hier passen?). Die serienmäßigen Tritte sind aus Kunststoff, das Gittermuster ist nur graviert. Durch Trockenbürsten (Pinsel mit wenig und sehr trockener Farbe über die erhöhten Stellen streichen) und dem flächigen Lackieren der Außenkanten mit silberner Farbe (Revell 90) bekommt man aber fast den Eindruck von durchbrochenen Tritten.


Vergleich zwischen ursprünglichen und überarbeiteten Aufstiegstritten.

Dabei ist mir aufgefallen, dass die nur eingesteckten mittleren Stufen nicht fest genug halten, wie auf dem Foto sichtbar leicht nach oben klappen und beim nächsten Stoß verloren gehen. Ein von innen aufgebrachter Tropfen Sekundenkleber schafft Abhilfe.

Weiter geht es am Fahrwerk. Das ist im Auslieferungszustand seidenmatt schwarz. Ich habe gern einen Farbton in Richtung schwarzbraun und sehr matt. Nach der Demontage der Achsen und Kupplungen muss der Wagenkasten maskiert werden, damit er nicht auch diese Farbe annimmt. Das dazu gern verwendete Klebeband richtet oft Schäden an Zurüstteilen und Bedruckung an, und ein komplettes Zerlegen kommt aufgrund der schon im 2. Teil beschriebenen Bauweise der durchgesteckten und umgebogenen Achshalter nicht in Fragen. Daher habe ich dieses mal einen Styrodurblock genau so groß ausgeschnitten, das man ihn mit sanftem Druck über den Wagen schieben kann.


Der Wagen wird in dem der Maskierung dienenden Styrodurblock gehalten.

Der so super in der Hand liegende Wagen kann nun mit der sehr flach heran geführten Airbrush-Pistole verschönert werden. Ich verwende eine Mischung aus 10 Teilen Mattlack 02, einem Teil Schwarz 08 und einem Teil Lederbraun 84 von Revell Aquacolor, naturlich mit dem entsprechenden Colormix verdünnt. Diese Mischung bricht jeden Glanz, auch die zuerst doch arg leuchteten Aufstiegstritte sind jetzt wieder unauffällig. Man sollte in mehreren dünnen Schichten arbeiten, um nicht die Bedruckungen am Langträger und den Anbauteilen zu überdecken. Die Radscheiben werden mit einer deckenden 1:1 Mischung aus Schwarz und Lederbraun lackiert.


Vergleich zwischen bereits patiniertem Fahrwerk und einem noch glänzenden.

Die Dächer sind bei Modellbahnen ein leidiges Thema. So matt silber wie ausgeliefert sollten sie auf keinen Fall bleiben, denn so sahen sie vielleicht vor der Jungfernfahrt aus.


So matt silbern liefern fast alle Hersteller die Dächer von Personen- und Güterwagen aus. Das hier sind übrigens die der GFN-Wagen.

Die Grundfarbe habe ich deutlich verändert, wenngleich die silberne Grundfarbe an den stark geneigten Rändern noch leicht durchscheinen darf. Dafür habe ich eine 1:1 Mischung aus mattlack 02 und Geschützgrau 74 mit der Airbrushpistole im steilen Winkel aufgesprüht. So bleiben die Ränder noch leicht silbrig. Nicht vergessen das ganze einmal zu drehen, denn diese Lüfter am Wagenende werfen sonst einen Schatten.


Mit Geschützgrau lackierte Wagendächer.

Nun muss man sich zunächst einmal über den Einsatz klar werden. Werden Personenwagen unter Fahrdraht von E-Loks gezogen setzt sich auf dem Dach Metallabrieb ab, der braun ausblüht. Hinter der Dampftraktion werden die Dächer natürlich schwarz. Oben sehr stark deckend, aufgrund der steigenden Dachneigung und sporadischer Reinigung am Rand deutlich schwächer. Auch diese Farbe, 1:1 Mischung Mattlack 02 und Schwarz 08, sprühe ich aus steilem Winkel und geringer Entfernung auf. Auch hier wieder in dünnen schichten, damit der Kontrast zwischen Oberseite und Seiten nicht zu stark wird, sondern fließend ineinander übergeht.


Die typisch für den Dampfbetrieb fertig schwarz verdreckten Dächer.

Hat man die Dächer vorsichtig wieder aufgeklippst, geht es noch einmal ans Fahrwerk. An allen Kanten kann man durch das Setzen von Lichtern noch mehr Tiefe erzeugen. Dazu habe ich etwas sandfarbene Staubfarbe mit dem Pinsel aufgebracht. Auf der mattierten Oberfläche halten die Pigmente sehr gut, also ist sparsamer Umgang damit wichtig! Die Achshalter, Federpakete und Bremsen erhalten etwas mehr Farbe, der restlichen Teile nur einen Hauch.


Sandfarbene Pigmente werden mit dem Pinsel sparsam aufgebracht, um mehr Tiefe zu erzeugen.

Die Fixierung der Pigmente mit Mattlack erspare ich mir. Zunächst einmal haften sie auf dem matten Untergrund sehr gut. Außerdem lässt der Mattlack die Pigmente und die damit erzeugte Tiefe größtenteils wieder verschwinden. Sollten sich die Pigmente über die Jahre verflüchtigen kann man noch einmal nachstubsen.

Vom Wagenkasten selbst lasse ich bei diesen Wagen die Finger. Der grüne Kunststoff ist wunderbar matt, und so usselig ausgebleicht, wie in vielen Tutorials angegeben, waren die Wagen meiner Meinung nach in ihren ersten Einsatzjahren nicht. Die junge DB pflegte ihre Fahrzeuge, und blass kenne ich diese Wagen eigentlich nur vom Bauvorrat von Museumsbahnen, wo noch viele auf ihre Aufarbeitung warten. Auf Farbaufnahmen aus den frühen bis mittleren 1970er Jahren sehen die Seitenwände der dreiachsigen Umbauwagen meist noch aus wie aus dem Ei gepellt. Manchmal glänzen die Seiten sogar. Und mit dem Umbeschriften auf UIC-Nummern hat man es wohl auch nicht so eng gesehen, denn z.B. die Wagenparks im 70er Jahre Dampf-Mekka Lauda waren auch 1975 noch mit alten Raucher- und Nichtraucher Beschilderungen und gelben Wagennummern zwischen erstem und zweitem Fenster versehen. Einem epochenübergreifenden Einsatz der Wagen steht also anscheinend nichts entgegen.


Die fertig bearbeiteten Einstiege.

Nun noch einmal zur technischen Seite des Modells. In diversen Foren wird der schwergängige Schlitten für das Auslenken der Mittelachse kritisiert. Ein möglicher Fehler kann hier sein, dass sich der Lösezug der Bremse unter der Bremsleitung am Wagenboden verklemmt hat, und der Schlitten dadurch an der hier ebenfalls dargestellten Bremsleitung gehemmt wird. Das war bei zwei meiner Wagen der Fall. Jetzt laufen die Schlitten zwar noch nicht so leicht wie die von Roco oder GFN, ich hoffe aber es macht im Betrieb keine Probleme.


Fertiger B3yg.

Als weiteres Manko wird der schlechte Lauf kritisiert. Ich kann das leider bestätigen, vor allem wenn man die Wagen mit leichtem Druck von oben schiebt. Zieht man sie horizontal an den Kupplungen ist es wesentlich besser, aber noch nicht perfekt. Mögliche Fehlerquellen: Schleifende Zurüstteile und die Breite der Achsen. Bei mir schliff eine Bremse auf der Lauffläche, was durch beherztes biegen am zähen Brawa-Kunststoff zu korrigieren ist. Dann ist da der Riemen der Lichtmaschine. Auch diese kann man so zurecht biegen, dass die Achsen frei laufen.


Fertiger AB3yg.

Die Achsen sind aber ein generelles Problem. RP25 Tauschachsen für Brawa sind mir nicht bekannt. Es gibt nur solche für H0fine, keine Ahnung warum das so ist? Die gelieferten Achsen sind Steckachsen, also Radscheiben mit Achsstummeln, die in eine Kunststoffhülse gesteckt werden. Die Spurkränze sind an der Untergrenze des für NEM zulässigen. Sie sollten also auch auf RP25 Gleismaterial unauffällig bleiben. Wäre das nicht das gemeine Spurkranz-Innenmaß. Dies muss bei 14,4 mm liegen. Der Messschieber brachte es zu Tage: alle Achsen, die schwergängig liefen, hatten ein Maß von ca. 14,1 mm. Dadurch laufen die Achsen nicht mehr auf den Spitzen, sondern auf den Flanken. Das hat gehemmt. Die Achsen lassen sicht leicht justieren, und jetzt ist auch der Lauf gut. Nur das Gewicht der Wagen, immerhin 83 g, sorgt noch dafür, dass sich die Loks nicht langweilen.


Typischer Nahverkehrszug der Epoche III mit Dampflok BR 78.

Ich bin sehr zufrieden mit meinen neuen Wagen, und hoffe mit diesen Artikeln mal wieder ein paar Hobbykollegen angeregt zu haben, auch schönere Personenwagen zu gestalten. Und beim nächsten Fremotreffen erfreuen sie dann hoffentlich die Mitspieler.

Sonntag, 18. März 2018

Brawa Umbauwagen 3yg Teil 2: Innenraum und Licht

Nach dem ersten Teil liegen nun vier zerlegte 3yg auf dem Tisch. Mit aufwändiger Vorbildrecherche hatte ich ja schon bei den anderen Umbauwagen von Fleischmann die richtige Farbgebung für den Innenraum erarbeitet. Meine eigenen Fotos solcher Wagen von innen sind leider weniger hilfreich, weil die Dahlhausener Wagen von innen ergraut sind.


Blick auf die Trennwand im Dahlhauser B3yg.

Trotzdem erkennt man, wie gut getroffen die Umsetzung ins Modell ist. Klar ist so etwas abgefahrenes wie freistehende Halterohre wie bei meinen Epoche IIIa Umbauwagen nicht ausgeführt worden. Es muss ja noch Luft nach oben für Bastler oder Kleinserienhersteller sein.


Sitzgruppe und Innenwand des Dahlhausener B3yg.

Wie schon angekündigt habe ich die gesamten Einsätze zunächst einmal mit Mattlack aus der Airbrush-Pistole geduscht. Bei den Bänken wäre ein seidenmatter Glanz noch zu vertreten gewesen. So ist es jetzt aber insgesamt viel hübscher, und der Aufwand überschaubar.


Ausgebaute und mattierte Inneneinrichtung der 2. Klasse.


Inneneinrichtung der 2. Klasse und des Gepäckraumes.

Dann geht es los mit der Bemalung, die fast ausschließlich an den Klarsichtteilen stattfindet. Oben bis zur Unterkante der Fenster verwende ich aufgehelltes Ocker, darunter Lehmbraun. Ausnahmen stellen die erste Klasse, die oben herum mittelgrau waren, und der Gepäckraum, der unten hellgrau war, dar. Wichtig ist es auch die Innenseiten des Wagenkastens zu bemalen, vor denen sich die gelenkigen Stellen der Klarsichtteile befinden. Und an den Enden der Fahrgasträume ist im zusammengebauten Zustand ein kleines Stück der Wand zum Einstieg sichtbar. Auf dem Foto habe ich das noch vergessen. Alle sichtbaren Teile der Einstiege haben eine türkise Farbgebung erhalten. Dazu habe ich Revell 55 mit Revell 360 leicht abgedunkelt.


Ein großer Teil der Farbgebung des AB3yg bereits abgeschlossen.

Ein an allen Wagen vorhandenes Zubehör stellen die Vorhänge dar. Diese vielen Bahnreisenden noch als Staubfänger in Erinnerung gebliebenen braunen Stofffetzen sind an fast keinem Modellbahnwagen dargestellt. Dabei muss man sich nicht einmal viel Mühe geben, denn die kann man einfach auf die Fenster aufstreichen. Gerade wenn alle etwas anders aussehen ist es richtig. Gehalten wurden sie von Messinghaken, die ich mit etwas Farbe angedeutet habe.


2. Klasse Innenraum mit bemaltem Fenstereinsatz.

Wie oben schon zu sehen entstehen die Puppenstuben jetzt richtig, denn Leben kommt in die Innenräume. Ich habe selbst bemalte Preiserlein und fertig bemalte Nochmännchen kombiniert. Natürlich muss man ca. 1 mm des Hinterns abschneiten, um das Einsinken in die Polster zu simulieren. Auch fast alle Füße müssen dran glauben, da die Sitze nicht hoch genug sind. Das alles ändert aber nichts daran, dass auch bei diesem Wagen die Reisenden viel zu hoch sitzen. Am Ende schauen sie genau auf den Mittelsteg der Fenster, obwohl sie eigentlich darunter hindurch schauen müssten. Damit kann ich aber besser leben, als mit zu kleinen TT-Figuren, die dann alle wie Kinder nicht an die Rückenlehnen heran kommen. Das muss aber jeder selbst wissen, alles ist besser als leere Personenwagen, die leblos über das Fremotreffen zuckeln.


Mit Leben gefüllter Innenraum für den BD3yg. Auch der Gepäckraum kann Ladung vorweisen.

Jetzt kann es wieder an den Zusammenbau gehen. Der geht ohne großes Spektakel über die Bühne. Erst wird die Zinkplatte, die sicher beim Anmalen aus dem Wagen gefallen ist, wieder an ihren Platz gelegt. Die Stromversorgung für die Innenbeleuchtung ist zwar von Brawa mit Kupferstreifen schon vorbereitet. Diese werden aber am Wagenboden nur durch zwei Klauen gehalten, welche wohl ein Teil der Achshalter sind. Zur Sicherheit habe ich die Teile an dieser Stelle verlötet. Da es sich um sehr unwillig zu verlötende Materialien handelt ist der Einsatz von Lötwasser sinnvoll.


Die mit den Achshalterenden verlöteten Kupferstreifen am Wagenboden.

Dann kommt der Innenraumeinsatz und die Fenster. In den Einstiegen kommen zuerst die Fenster, dann die im ersten Teil beschriebenen Sicherungsblöcke. Dafür empfielt es sich zuerst die Fenstereinsätze zu entgraten, wenn man dabei ist an allen Seiten. Dann flutscht der Sicherungsblock fast von allein mit der Pinzette geschoben bis auf den Boden.


Der Sicherungsblock rutscht einfach an dem entgrateten Fenstereinsatz vorbei in seine Endlage.

Wer was hat der soll es auch zeigen, hat einmal ein weiser Mann aus dem Fahrplanbüro Harburg gesagt. Ich bin seit einiger Zeit Kunde von Huffingtronik, die nun komischerweise Malutronik heißen. Dort habe ich passende Beleuchtungen mit 4 warmweißen LED und leider etwas groß gewählte 470 micro F Pufferkondensatoren erworben. Die Montage ist bei diesen Wagen zum Glück sehr leicht, denn die Anschnlusspunkte sind schon bis unter das Dach des Wagens geführt.


Der Beleuchtungseinsatz kann einfach an die vorbereiteten Anschlusspunkte gelötet werden.

Der Pufferkondensator wird vorgebogen und auf die Pads der Beleuchtungsplatine gelötet. Wenn man die Kondensator richtig herum eingelötet hat flackert jetzt nichts mehr. Damit das Dach bei diesen riesigen Kondensatoren passt muss eine Trennwand etwas eingekerbt werden. Ich würde aber empfehlen einfach kleinere zu kaufen und diese dann in den Aborten verschwinden zu lassen, dann haben diese wenigstens eine Aufgabe.


Befestigung des Kondensator an der Beleuchtungsplatine.

Nun können endlich die Dächer drauf! Leider scheint jetzt, wenn man genau von der Seite aus hin schaut, an den Stellen wo die Rastnasen sich verabschiedet haben, etwas Licht durch den Spalt. Ich kann damit aber leben.


Nun leuchten Sie schon vor sich hin, und warten auf die Auslieferung des Steuerwagens von Piko.

Mehr ärgert mich das Licht um die silbernen Fensterrahmen, was sich trotz der erfolgten schwarzen Bemalung von außen seinen Weg bahnt. Ich fürchte durch die stramme Fassung im Gehäuse hat sich die Farbe bei der Montage wieder von den Klarsichtteilen abgeschabt.


Etwas Licht scheint noch an den Fensterrahmen vorbei, sonst ein schöner Blick in meine Puppenstübchen.

Im nächsten Teil mache ich die Wagen von außen hübsch. Auch wenn das nicht mein Spezialgebiet ist, kann man mit kleinen Mitteln noch einiges heraus holen.

Montag, 12. März 2018

Brawa Umbauwagen 3yg Teil 1: Zerlegen

Nun habe ich sie mir auch gegönnt, die vor 2 Jahren am Markt erschienenen dreiachsigen Umbauwagen von Brawa. Meiner Ansicht nach waren die von Fleischmann, die ich als Epoche IIIa Variante verbessert habe, zumindest von außen sehr schön, aber bei den homöopathischen Dosen, mit denen diese auf den Markt gebracht wurden, muss man sich bei der Modellspielwaren GmbH nicht wundern, wenn der Laden zu Grunde geht.


Der B3yg von Brawa.

Der Preis der Brawa-Wagen ist saftig, mit 105 EUR Straßenpreis je Paar gut 30 EUR mehr, als man für die Fleischmänner berappen müsste, könnte man sie heute kaufen. Ich habe mir ein A-B und ein B-D Paar gekauft, die ich aber als A-D und als B-B Paare einsetzen werde. In diversen Bilderbüchern scheint mir das die verbreitetste Variante zu sein.


Der A3yg.

Die Modelle entsprechen von der Machart her den Güterwagen aus gleichem Haus: Super detaillierte Fahrwerke und Gestaltung des Unterbodens bis zum Erbrechen. Entgegen anderer Berichte im Netz laufen meine Schlitten der verschiebbaren Mittelachse tadellose ohne zu klemmen. Dafür habe ich auch das Problem mit schlecht laufenden Achsen. Ich vermute es liegt an zu spitzen Achsenden, ich werde mir das anschauen und berichten.


Der D3yg.

Der Mehrwert der Brawa-Wagen liegt bei der Inneneinrichtung. Man merkt, dass man bei der Entwicklung dieser Teile Spass hatte, denn selbst im Abort sind das Waschbecken und der Lokus nachgestellt, letzterer sogar mit schwarzem Deckel. Sitzbänke und Trennwände wurden als einzeln eingesetzte Teile nachgestellt.


Inneneinrichtung des B3yg von Brawa.

Im Stückgut-Abteil des 3ygD sind die Haltegriffe links und rechts der Falttüren in das Klarsichtteil eingesetzt.


Inneneinrichtung des D3yg.

Manko dieser sehr schönen Möblierung, deren Farbton inkl. Boden mir sehr gefällt, ist leider der Glanz. Und ich meine nicht seidenmatt, ich meine Hochglanz. Da ich natürlich Innenbeleuchtung und Passagieren einsetzten werde befürchte ich Lichteffekte wie in einer Disco. Der Einsatz der Inneneinrichtung mit also mattiert werden. Außerdem sind die Innenwände nicht gefärbt. Leider legen zu wenige Modellbahner Wert auf dieses Detail, wertet es doch aus meiner Sicht Personenwagen mit Beleuchtung stark auf.


Inneneinrichtung des A3yg.

Um diese Bastelvorhaben bewerkstelligen zu können, müssen die Wagen also zunächst einmal zerlegt werden. Und da fängt der zweifelhafte Spass so richtig an. Bei den Fleischmännern nahm man das Dach ab, zog die Inneneinrichtung nach oben heraus, demontierte die Rücklicht-Imitate und die Fenster fielen fast schon von allein ins Wageninnere. Brawa wählt hier leider einen anderen Weg. Schritt 1 ist gleich: Dachkanten nach innen Drücken und das Dach abziehen. Dabei kommen pervers zierliche Rastnasen zum Vorschein. Bei drei von vier Wagen hat schon jeweils eine Rastnase das Abziehen nicht überlebt. Mal schauen, wie das bei der Montage wieder halt findet.


Die Rastnasen des Daches sind nicht für häufiges Öffnen gemacht, Bruch vorprogrammiert.

Und jetzt betreten wir Neuland: Die Fenstereinsätze müssen bei diesem Modell zuerst heraus. Und sie sind teilweise, z.B. im Bereich der Laderaumtüren, geklebt. Da ist sie wieder, die Kleber-Chinesin! Ich habe die Fenstereinsätze mit dem Cuttermesser erst ganz sachte nach innen gehebelt, bis die Rahmen aus dem Gehäuse heraus standen. Dabei schwebt immer das Damoklesschwert, die dünnen Stege des Wagenkastens über den Fenstern zu beschädigen, über dem leicht verängstigten Frokler.


Abhebeln der Fenstereinsätze vom Wagenkasten.

Dann kann man die Fenstereinsätze mit einer Spitzzange vorsichtig mm für mm und Fenster für Fenster nach oben ruckeln, bis das ganze Teil sich löst und heraus gezogen werden kann.


Vorsichtig werden die Fenstereinsätze heraus geruckelt, auch hier besteht Bruchgefahr.

Das Gleiche muss man bei den Fenstern in den Einstiegen machen.


Entgegen der Reihenfolge beim Zusammenbau müssen zunächst die Fenstereinsätze der Einstiegstüren abgezogen werden.

Dann müssen noch je Einstieg zwei Füllstücke entfernt werden, deren Sinn das Halten der Fenster der Einstiegstüren zu sein scheint.


Das Füllstück in der montierten Position.

Eigentlich müsste man zuerst die Füllstücke/Sicherungsblöcke demontieren, um die Fenster leichter lösen zu können. Dafür habe ich aber kein Werkzeug, und der direkte Weg wird durch die wohl nachträglich eingesetzten Rückleuchten blockiert. Mal schauen wie das dann beim Zusammenbau klappt.


Kippt man den Sicherungsblock nach vorn kann man ihn mit der Pinzette heraus ziehen.

Die Inneneinrichtung ist in den Einstiegen und unterhalb der Sitze mit insg. 8 Rastnasen am Boden befestigt. Mit einer Pinzette und drei Händen lässt sich das ganz gut lösen. Manche haben sich auch zerstörungsfrei durch beherztes Ziehen lösen lassen. Dann hat man endlich auch den kompletten Einsatz in der Hand.


Die Rastnasen im Einstieg, die sich auch unterhalb der Sitze befinden.

Nun hat man also ein Dutzend Einzelteile auf dem Tisch liegen, die nicht verloren werden möchten, und erst nach der vollständigen Bemalung wieder zusammen finden werden.


Das 3yg Puzzle kann bemalt werden.

Besonders kritisieren muss ich noch einmal die Verklebungen. Bei den 3ygB habe ich keine Klebestellen gefunden. Aber der A und der D waren vor allem in den Ecken angepunktet. In Kombination mit den sehr spröden Fenstereinsätzen kann ich nur empfehlen vorher die Heizung runter zu drehen, dann kommt man nicht so ins Schwitzen.


Zwei Stunden Zeit musste ich mir für das Zerlegen aller Wagen nehmen.

Die Inneneinrichtung werden ich mit Mattlack einnebeln (auf dem Glanzkunststoff hält wahrscheinlich eh kein Kunststoffkleber), die Fenstereinsätze auf der Innenseite Holzfarben, auf der Außenseite schwarz lackieren.

Davon zu einem späteren Zeitpunkt mehr.