Mittwoch, 20. Oktober 2021

Fremo Rheda Herbsttreffen 2021

Die Herbstferien sind das traditionelle Datum für das Privatbahn und Nebenbahntreffen in Rheda im Herbst. Wie auch 2020 fand das Treffen auch 2021 unter Coronabedingungen statt. Zum Glück war die Lage deutlich entspannt. Die Weitläufigkeit der Schule und die Impfquote der Teilnehmer von 100% waren dabei eine große Erleichterung. Wir haben als Teilgruppe des MEC-Dülmen mit dem Bahnhof Merfeld am Treffen teilgenommen. Damit war der dank APS endlich durchgestaltete Schrottplatz Ludzey erstmals mit mehr als 10 Schrottautos im Einsatz. Außerdem waren einige meiner Streckenmodule dabei.


Rangierbetrieb in Merfeld. Im Hintergrund der fertig gestaltete Schrottplatz Ludzey.

2021 hat das Treffen mal wieder eine eine neue Heimat gefunden, auch wenn sich nur die Hausnummer geändert hat. Die Moritz-Fontaine-Gesamtschule stellte dieses mal seine Mensa und einen Teil der Flure zur Verfügung. Die Flure, das war ein ca. 70 m langer Korridor, auf dem ein langes lineares Arrangement aufgebaut werden konnte.


Das gesamte Arrangement war sehr langgestreckt. Links lag die Mensa, rechts ging es in die langen Flure.

Thema des Treffens war das Jahr 1955 rund um Paderborn. Damit war also die selten gespielte Epoche 3a (ohne DB-Kekse, dafür Bundesbahn-Schriftzüge, und häufig nur Zeilichtspitzensignal) die Vorgabe für den Einsatz der Fahrzeugmaterials.


Nein, kein Gmp: Einem Personenzug wurden Stückgutwagen beigestellt, die dann auf den Betriebsstellen der Hauptbahn verteilt bzw. eingesammelt wurden.

Das Arrangement war, es ist ja das Haupt- und Privatbahntreffen, in zwei Abschnitte unterteilt: Bundesbahn und WLE (Westlippische Eisenbahn). Der Betrieb der DB fand zwischen den Schattenbahnhöfen Emden und Dipperz statt. Dazwischen befanden sich die Bahnhöfe Hompesch, Mönchshof mit Anschlussbahn, Bülthausen, Merfeld, Hoffnungstal mit dem Anschluss zur Privatbahn, und Epterode.


Ein Nahgüterzug steht abfahrbereit im Bahnhof Mönchshof.

Die Westlippische Bahnhof war mit dem Bahnhof Neulippertor in Hoffnungstal ans DB-Netz angeschlossen. Hinter Neulippertor folgten Deutz, Allagen Dorfstraße, Allagen, Sägewerk-Fisch, Sendenhorst, Klein-Amerika, Nordstern, Wibbelsau, Domäne, Cramer und Bad Rönningen.


Eine BR93 steht mit ihrem Personenzug im Bahnhof Bülthausen.

Die in Mönchshof anschließende Anschlussbahn bestand aus den Betriebsstellen Virchowstraße, Trüller und dem Bahnhof Fladungen. Die Bedienung erfolgte dabei vom Bahnhof Mönchshof aus, in dem mit zwei Ortsloks rangiert und dann die Anschlussbahn bedient wurde. Die umfangreichen Gleisanlagen der zweiten Auflage dieses Bahnhofes, der so erstmals im Fremobetrieb war, ermöglichten das Umbilden der Züge.


Ein Personenzug der WLE steht hier am Bahnsteig in Hoffnungstal.

Der Fahrplan war in die Abschnitte Vor- und Nachmittag unterteilt. Dazu wurden jeweils getrennte Buchfahrpläne ausgeteilt. Diese waren bei Güterzügen in Triebfahrzeug- und Zugführer unterteilt. Bei den teils umfangreichen Aufgaben und vor allem vielfältigen Betriebsstellen eine gute Entscheidung.


Nun hat der Personenzug den Bahnhof Neulippertor erreicht. Ab hier wurde die Strecke im Zugleitbetrieb befahren.

Betriebstechnisch altbekanntes: Der DB-Ast wurde im Zugmeldebetrieb, der Privatbahnast im Zugleitbetrieb betrieben. Zwischen Bülthausen und Hoffnungsthal war zudem ein Streckenblock in Betrieb. Der dazwischen liegende Bahnhof Merfeld konnte nur durch vorheriges auslösen einer Schlüsselsperre vom Bahnhof Bülthausen aus befahren werden.


Im Bahnhof Allagen wird hier der Anschluss des Marmorwerkes Dassel durch einen Nahgüterzug bedient.

Zum Einsatz kamen auch wieder die auf die Puffer aufgelegten Zugschlussscheiben. Die Beobachtung einiger Mitspieler, das wenig mit Schluss gefahren wurde, kann ich nicht teilen. Nach meiner Beobachtung hatten fast alle Züge Schlussscheiben. Wenn diese beim Kampf gegen die Uhr in den Betriebsstellen einmal vergessen werden ist das kein Drama. Ich bleibe dabei: Schlussscheiben sind nice to have, aber wenn sie vergessen werden kein Beinbruch. Wir werden alle besser, und nach 1 1/2 Jahren Treffenpause fand ich das richtig gut.


Eigentlich der H0-fine Gruppe zugehörig nahm der Bahnhof Hompesch dieses mal in Rheda teil. Tolle Gestaltung und tolle Stellwerkstechnik.

Was mir einmal mehr aufgefallen ist, wie sehr ich mit der Epoche 3a hadere. Natürlich ist es schön ein Thema zu vertiefen und möglichst nah am Vorbild umzusetzen. Ich habe das in der Vorbereitung, aus Mangel an Fahrzeugen, durch das Ausstatten von Kraftfahrzeugen mit Besatzungskennzeichen unterstützt. Die Güterwagen konnten zum Glück in der üblichen Form genutzt werden, wobei dann nach 1955 gebaute Gattungen in den Kisten blieben. Die Anzahl der Wagen mit Besatzungsnummer war aber im niedrigen einstelligen Bereich. Ohne den Einsatz von Packwagen mit Anschriften im falschen Gelbton wäre man aber die Ng ohne Pwg gefahren. Personenzüge im korrekten Grünton sind sowohl bei den Herstellern, als auch bei fast allen Fremomitgliedern Mangelware. Das beschränkte dann die eingesetzten Personenwagen auf Fahrzeuge der 20er und 30er Jahre, was ich als etwas langweilig empfinde. Da wäre durch den Einsatz von preußischen, Reichsbahn- und neuen DB-Fahrzeugen ein sehr viel spannenderes Bild möglich.


In der Rangiergruppe von Mönchshof war fast immer Betrieb. Hier wuselten meist zwei Loks der BR93 und 94 herum.

Hauptproblem ist aber aus meiner Sicht die so garnicht passende Szenerie der befahrenen Module. 1955 erwarte ich keine ausgeschmückten Modelllandschaften mit hübschen Häusern und Industriegebäuden. Es müssten noch Kriegsschäden, notdürfig reparierte Bahnbauten und Trümmergrundstücke zu sehen sein. Außerdem, und das ist jetzt mein persönlicher Geschmack, mag ich sowohl das Dreilichtspitzensignal, als auch den DB-Keks. Unterm Strich ist das für mich nicht Fisch nicht Fleisch. Und durch den Ausschluss des im Modellbahnbereich beliebtesten und am meisten vorhandenen Materials wird ein künstlicher Fahrzeugmangel erzeugt. Ja, auch das ist für 1955 vorbildgerecht, das ist mir bewusst, und auch die Qualität des eingesetzten Materials wird tendenziell höher. Aber da wird für mich die Grenze zwischen angenehm- und unangenehm elitären Modellbahnspiel überschritten. Zumal die Darstellung einfach nicht zu 100% authentisch ausfällt. Das wird den Hauptinitiatoren jetzt nicht gefallen, aber aus meiner Sicht ist 3a eher ein Thema für den Dachboden oder eine thematisch geschlossene Modulanlage.


Der Anschluss Virchowstraße wird hier von einer BR93 bedient.

Nun aber noch ein positiver Aspekt: In 4 Tagen Rheda hat es sehr sehr viel Spass gemacht wieder unter Freunden zu sein und gemeinsam zu spielen. Da war eine tolle Truppe zusammen. Und auch wenn beim Aufbau mal wieder etwas Luft nach oben war, so konnte die Anlage doch ab Freitag morgen betrieben werden. Ich kann mich an kein einziges böses Wort erinnern. Die Fehlertoleranz war hoch und es wurden konstruktive Verbesserungsvorschläge gemacht. Es wurden annähernd 5 Fahrpläne komplett durchgespielt. Und richtig gut war auch die Verpflegung. Sowohl das gemeinsame Frühstück, als auch die Verpflegung durch die Schulkantine waren echt spitze.


An diesem Personenzug sieht man den Einsatz von Schlussscheiben. Fummelig, aber schön, wenn sie dran sind.

Nach Bardowick also das zweite Treffen innerhalb von zwei Wochen. So kann es weitergehen. Wer bis hierher durchgehalten und noch nicht genug hat, der findet hier wie immer meine Bildergalerie: Galerie Rheda Herbsttreffen 2021.

Montag, 11. Oktober 2021

FremOld in Bardowick 2021

Ein Jahr ohne Fremotreffen liegt hinter mir. Und damit auch ein Jahr, wo ich fast keine Motivation hatte, irgendetwas zu basteln. Das Bastelzimmer ist verrümpelt, die Module lagern in der Garage, der Anhänger stand sich die Reifen platt. TüV braucht so ein Vehikel auch! Ups... Doch nun ist das vorbei, endlich wird die Welt wieder normal, weil unser kleiner chinesischer Freund so langsam verschwindet. Natürlich nicht aus Hygienekonzepten, die die Treffenveranstalter aufstellen müssen, aber schon am Tag nach der Versendung aufgrund neuer Lockerungen überholt sind. So war es auch auf dem Epoche 2 Treffen in Bardowick. Einmal am Tag Popeltest und eine vorher festgelegte Personengruppe waren der Schlüssel zur Teilnahme.


Fertig gestaltet konnte das Modul mit der Dürener Rurbrücke endlich an einem Treffen teilnehmen.

In der Schützenhalle der "Schützengilde von 1612 des Fleckens Bardowick" konnte mal wieder eine Arrangement mit dem Thema Deutschland 1928 aufgebaut werden. Es gab eine zweigleisige Hauptstrecke, ein kurzes Stück eingleisige Hauptbahn, eine eingleisige Nebenbahn und eine normalspurige Kleinbahn. Der Aufbau war, naja, sagen wir mal zäh! Man merkte den Teilnehmern die fehlende Routine beim Auspacken des Materials an. Speziell die für die Technik zuständigen Kollegen waren teilweise genervt, weil Booster und Kabel erst aus den Niederungen der Transportkisten hervor gebettelt werden mussten. Aber am Freitag morgen war es endlich soweit, der erste Fahrplan konnte beginnen.


Größter Bahnhof an der zweigleisingen Hauptbahn war der Bahnhof Holstedt.

Betriebsmittelpunkt war der Bahnhof Wilhelmsberg, wo die eingleisige Hauptbahn, die Nebenbahn und die Kleinbahn sich trafen. Wilhelmsberg trat dabei dieses mal ohne großen Hafenanschluss auf. Lediglich der Schellfischkai sorgte für einwenig maritimes Flair.


Im Bahnhof Wilhelmsberg zweigte die Kleinbahn ab, und die Güterzüge wurden behandelt.

Weiterer Betriebmittelpunkt, und großte Betriebsstelle war der Bahnhof Holstedt an der zweigleisigen Hauptbahn. Diese Hauptbahn reichte vom Schattenbahnhof Leipzig-Wahren bis zum Schattenbahnhof Görlitz. Die eingleisige Hauptbahn, die zugegebenerweise nur aus ca. 15 m Strecke bestand, schloss am Abzweig Oberdüssel zwischen Wahren und Holstedt an.


Seine Treffenpremiere hatte der Abzweig Oberdüssel. Bis auf einige Bäume, die während des Treffens ergänzt wurden, war er landschaftlich fertig gestaltet.

Die Nebenbahn verlief von Wilhelmsberg aus über Allagen, Bülthausen, Schwarzbach, Heiligenfeld zum Endbahnhof Bad Rönningen. Schön war der Kurswagenlauf, der einen Wagen vom Schattenbahnhof Görlitz bis nach Bad Rönningen führte. Überhaupt war dies die Strecke mit den meisten Industriebetrieben. Marmor in Allagen, Formsand in Bülthausen und Vieh in Heiligenfeld.


Im Endbahnhof Bad Rönningen ist der Personenzug mit dem Kurswagen angekommen und hat diesen abgestellt. Der Zug wartet nun auf den Beginn der Rückfahrt.

Die Kleinbahn zweigte parallel zur Nebenbahn in Wilhelmsberg ab und führte über Grenzheim, die Werft, Trüller, Dessau nach Neuenkirchen. Hier gab es Triebwagen, GmP und Güterzüge, alles mit Kleinbahntypischen Fahrzeugen, also T3, Elnas und kleine Triebwagen.


Der Betrieb der Kleinbahn erfolgte im Zugleitbetrieb. Hier wartet der Triebwagen auf die Freigabe des Zugleiters für die Ausfahrt aus Dessau.

Damit wäre eigentlich zu den Strecken alles gesagt. Aber da war ja noch etwas: Lang erwartet hatte die Spessartrampe ihre Premiere. Fremo mit Steigung? Ja, das geht auch! Der Schattenbahnhof Görlitz stand nur auf einer Höhe von 100 cm, also knapp über Schreibtischniveau. Auf einer Strecke von 12 m und in einem langen Linksbogen fuhren die Züge die Rampe hinauf. Als Unterstützung dienten Loks der Baureihen 95 und 96, die den nötigen Schub lieferten. Am Ende der Steigung folgte ein Tunnel, vor dem die Schubloks zurückfielen und dann in der Betriebsstelle Heigenbrücken West abgestellt, bzw. wieder die Rampe hinunter nach Görlitz geschickt wurden. Mal wieder eine große Bereicherung im Fremo, die wir vielleicht nicht nur auf Epoche 2 Treffen sehen werden.


Die Steigung der Spessartrampe. Nicht im Bild sind die Betriebsstelle Heigenbrücken West und der Tunnel.

Betrieblich gab es einige ausgefallenen Dinge. Bereits erwähnt habe ich den Kurswagen. Sonstige Personenzüge verkehrten auf allen möglichen Relationen. Die Bildung der Güterzüge erfolgte in Görlitz. Rangierarbeiten fanden im Wesentlichen in Holstedt und Wilhemsberg statt. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll der Fischzug, der vom Schellfischkai nach Görlitz verkehrte, und der Sandzug der Formsandgrube in Bülthausen.


Der Kurswagen wartet in Allagen, während auf der Ladestraße Betriebsamkeit herrscht.

Ich habe ein weiteres mal nur als Modullieferant am Treffen teilgenommen. Dabei waren auch die Ondruper Kanalbrücke und die Dürener Rurbrücke. Letztere hatte ihre erste Teilnahme im ausgestalteten Zustand. Kaum zu glauben, dass die letzte Teilnahme Himmelfahrt 2019 war!


Ein Güterzug überquert die Dürener Dreigurtbrücke über die Rur kurz vor der Bahnsteighalle Sternschanze und der Einfahrt in den Schattenbahnhof Wahren.

Ebenfalls anwesend war ein weiteres spannendes Brückenprojekt. Eine Hamburger Elbbrücke befindet sich im Bau. Ein riesen Trümmer von 5 m Gesamtlänge. Respekt vor diesem Bauwerk. Ich bin sehr gespannt, wie diese dreizügige Brücke mit Linsenträgern fertig wirken wird.


Ebenfalls ihre Premiere auf einem Fremotreffen hatte die Hamburger Elbbrücke, der fertig gestaltet sicher ein Blickfang wird.

Am Sonntag wurde dann zwar alles wieder abgebaut. Aber für viele der Teilnehmer geht es in zwei Wochen schon weiter mit dem wiedererwachten Fremozirkus. Bis dahin gibt es hier noch ein paar mehr Bilder von mir zu sehen: Galerie FremOld Bardowick 2021.

Sonntag, 20. September 2020

FremOld 2020 in Obermarsberg

Besondere Zeiten verlangen besondere Maßnahmen. 2020 ist auch für den Fremo ein Jahr, in dem nichts ist wie früher. Die Covid19-Pandemie hat zwischen März und August keine Treffen zugelassen. Das erste Treffen unter Coronaregeln (Die Unbelehrbaren aus dem Süden kehre ich dabei bewusst unter den Teppich) verlangte von allen Teilnehmern ein Höchstmaß an Disziplin. Da auch Teilnehmer aus Hochrisikogruppen teilnahmen bestand die Notwendigkeit der Rücksichtnahme.


Die Schützenhalle St. Peter und Paul in Obermarsberg war zum dritten Mal Austragungsort für ein FremOld-Treffen.

Die Maßnahmen waren sehr umfangreich: Das Arrangement wurde bewusst luftig und linear gehalten. Es gab eine Seite für die Bahnhofsmanschaften, und eine für die Zugmanschaften. Wenn möglich waren im Arbeitsbereich der Bahnhofbediener Plexiglascheiben angebracht. Die Halle war ständig mit offenen Oberlichtern, offenen Türen und dort nach außen gerichteten Ventilatoren gelüftet. Ausreichend Desinfektionsmittel war vorhanden und in der Halle war zwar keine durchgehende Maskenpflicht, sofern die Arbeitsplätze fest und mit genug Abstand waren, doch eigentlich wurden Mund-Nasen-Schütze von allen Teilnehmern durchgehend getragen. Gemeinsame Mahlzeiten wurden immer unter freiem Himmel und mit ausreichend Abstand abgehalten. Tagesgäste mussten sich vorher anmelden und alle Teilnehmer musste die Beachtung der Teilnahmebedingungen schriftlich bestätigen. Als Hallenschläfer war nur eine Person als Nachtwache erwünscht.


Der Triebwagen hat den Schattenbahnhof verlassen und überquert gleich die Ondruper Kanalbrücke.

Das Arrangement war wie bereits erwähnt absolut Linear, also ohne Abzweig oder Abzweigbahnhof. Der achtgleisige Schattenbahnhof Welte stand am Anfang einer durchgehend eingleisigen Strecke. Über meine flachen Münsterlandmodule ging es zur ersten Station Heiligenfeld. Danach wurde die Gestaltung schnell, der realen Umgebung entsprechend, hügeliger. Der folgende Bahnhof Eichfelden hat eine für Fotos reizvolle Hanglage. Danach folgte die Anschlussstelle Waldenau, wo Personenzüge keinen Halt hatten. Bülthausen mit der Formsandverladung ware der größte Bahnhof, und betrieblich mit Waldenau verbunden. Nach einigen weiteren Hügeln und einer kurzen Flachlandpassage erreichte man das Örtchen Allagen am Fluß Möhne, wo ein Marmorwerk mit Frachten auf die Bahn wartete. Zum Schluss erreichten die Züge dann den Endbahnhof Bad Rönningen, wo die Triebfahrzeuge umsetzen mussten.


Heiligenfeld ist ein Landbahnof mit Industrieanschlüssen.

Alle Regeln eingehaltend verlief der Aufbau am Donnerstag wie bei der Gruppe üblich so zügig, dass schon um 20 Uhr der erste Fahrplan gespielt werden konnte. Ein Fahrplan dauerte immer ca. 2 Stunden und bot Beschäftigung für 11-12 Personen. Bei am Wochenende insgesamt gefahrenen 10 Plänen hätte man damit fast jeden Job einmal machen können.


Personenzug auf einer Brücke kurz vor dem Bahnhof Eichfelden.

Der Dienst im Schattenbahnhof erforderte wiedermal eine gewisse Übersicht der vorhandenen Betriebsstellen. Mit etwas Routine war es aber kein Problem Betrieb zu machen, und zwischendurch die Züge für den nächsten Tag mit Frachten zu bestücken und zu bilden.


In Eichfelden gab es einmal täglich einen Betriebsknoten, bei dem alle Hauptgleise belegt waren.

Die Dienste in den Bahnhöfen waren gewohnt abwechslungsreich. Trotz der geringen Zugdichte gab es wenig Leerlauf, da in jedem Bahnhof 2-3 Güterzüge bzw. ein PmG behandelt werden musste.


Waldenau ist eine Holzverladung, die einmal am Tag durch eine Übergabe von Bülthausen bedient wurde. Typisch waren dabei die zweiteiligen Langholzwagen.

Die Nahgüterzüge waren wie gewohnt die schönsten Dienste. Diese starteten morgens beide in Welte. Zunächst fuhr ein Zug für die Bahnhöfe Bülthausen, Allagen und Bad Rönningen aus. Kurz darauf dann der für die Betriebsstellen Heiligenfeld und Eichfelden bestimmte. Zusätzlich gab es für Bülthausen einen Ganzzug mit Leerwagen für die Formsandverladung. Heiligenfeld und Eichfelden wurden täglich mit leeren Viehwagen beliefert.


Viele Güterwagen in Bülthausen. Die Langholzwagen sind nur kurz abgestellt und werden mit dem nächsten Güterzug versendet.

Personenzüge waren wenige unterwegs. Zu vier Fahrten des Triebwagens, den wir öfters durch kleine Dampfzüge ersetzt haben, gesellten sich zwei Fahrten eines regulären Personenzuges. Dann fuhr noch ein Pmg, der die Zusatzaufgabe hatte den Bahnhöfen Stückgutwagen zuzustellen.


Allagen ist fertig durchgestaltet. Der soeben eingefahrene Güterzug wird gleich mit den Rangierarbeiten beginnen.

Der Fahrplan war natürlich vom Fahrplanbüro Harburg so konzipiert worden, dass alle Züge und Wagen am Ende des Betriebstages, der nach Modellzeit 12 Stunden dauerte, zurück zum Ausgangspunkt gelangten.


Das Marmorwerk Dassel ist nun wunderbar gestaltet.

Regeln und Corona hin oder her, was in solchen Zeiten zählt ist der Teamgeist. Gemeinschaft ist problematisch, aber wenn jeder mitmacht die Regeln einzuhalten ist trotzdem viel möglich. Auch wenn die Chance auf dem Heimweg in einen Unfall verwickelt zu werden größer ist, als sich an diesem Wochenende anzustecken, so will der Fremo nicht durch Presseberichte über Neuinfektionen bekannter werden. Dabei ist es garnicht so schwer wie man denkt. Ist man erstmal ins Spielen vertieft blendet man die Masken aus, und eigentlich ist es fast wie immer. Trotzdem hoffe ich, bald wieder ohne die ganzen Maßnahmen mit meinen Freunden Betrieb machen zu können.


Im Endbahnhof Bad Rönningen wartet der Personenzug auf die Ankunft des Güterzüges, der gerade auf den letzten Metern seiner Fahrt ist.

Auch wenn das jetzt vielleicht etwas viel Pathos und Geschwafel war danke ich fürs Durchhalten. Noch ein paar mehr Bilder von mir gibt es hier zu sehen: Galerie FremOld Obermarsberg 2020.

Sonntag, 26. April 2020

Nachbau der Dürener Dreigurtbrücke Teil 9

In diesem Post zeige ich etwas über der Bau der Schrebergärten auf dem Segment östlich der Brücke. Beim letzten Foto des vorherigen Beitrages war die leere Fläche zu sehen, auf der sich auch beim Vorbild zwischen Rur und Rurstraße die Städter im Garten verwirklichen.


Kantensteine aus Polystyrolprofilen und die zum Einsatz kommenden Hütten, Liste weiter unten im Text.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle etwas schwafeln von einem Bellingrodt Foto und keinem genauen Nachbau der Vorbildes. Wenn ich mir jetzt aber die Stelle bei Google noch einmal genau anschaue, dann bin ich verdammt nah dran gekommen: Gleichmäßig angelegte Parzellen mit durchgehendem Weg in der Mitte.


Ein Stahllineal hat während des Trocknens geholfen die Einzelteile noch einmal auszurichten.

Schrebergärten sind sehr typisch für das Umfeld von Bahnanlagen, oftmals sogar auf bahneigenen Grundstücken. Sie wurden zur Eigenversorgung der Eisenbahner von den Bahngesellschaften planmäßig angelegt. Heutzutage erfreuen sich diese Gartenanlagen weiterhin großer Beleibtheit, denn durch die fortschreitende Verstädterung lächzen die Bürger nach kleinen Oasen. Oft bedarf es jahrelangen Wartens, um so eine Parzelle mieten zu können.


Grundlage für alles, außer der Wege: Aufgesiebter Sand aus dem Garten oder vom nächsten Feld um die Ecke.

Natürlich konnte ich nicht die korrekte Anzahl an Gärten anlegen, sonst wären die super schmal geworden. Erst hatte ich 6 geplant, aber als ich dann die Hütten von Model Scene und Busch zusammengebaut und probeweise aufgestellt hatte, bin ich bei drei Gärten gelandet. Da ich die Rurstraße, an welche die Gärten angrenzen, nicht mehr darstelle, musste ich außerdem ein gutes Stück vor dem Modulende mit den Gärten aufhören. Auch ohne den Garten an der Straße wären es aber eigentlich 7 Gärten gewesen.


Wenn das Begrasungsgerät einmal aufgebaut ist sollte man direkt alle Flächen bearbeiten. Da jeder Gärtner anders sät, mäht und düngt, hat das Gras in den Gärten unterschiedliche Farben.

Zunächst noch einmal die Hütten:
Model Scene 98503 Ziegenstall
Model Scene 98518 Hühnerstall
Model Scene 98523 Landlicher Hof (daraus nur der Kaninchenstall)
Busch 1393 Gartenlaube (ja, DDR-Vorbild, ist bekannt)
Busch 1521 Tauben- und Entenhaus
Noch 14357 Gewächshaus
Die Hütten wurde teilweise etwas farblich behandelt (vor allem der Ziegenstall), aber eigentlich sehen die für einen solche Gartenanlage, wo sich die Nachbarn gegenseitig mit der Pflege zu überbieten versuchen, schon O.K. aus.


Ziegenstall und Hühnerstall von Model Scene sind Lasercut Bausätze, die ich sehr gut montieren konnte.

Maschendrahtzäune gibt es schon seit der Neuzeit, so ab 2005, bei Busch. Die Qualität dieses Drahtgewebes ist schauerlich, aber irgendwie habe ich im Handarbeitsladen noch nicht den passenden Tüll gefunden, den man alternativ benutzen kann. Von Busch empfehle ich die Nutzung des Materials im Maßstab TT. Das ist hoch genug, aber nicht so grob wie das für H0. Da die Drahtmatten aber nicht im 45° Winkel zur Webrichtung geliefert werden muss man jede Matte nachschneiden. Busch: das ist MIES!


Die DDR-Gartenlaube kann ich mir auch gut im Jahr 1928 vorstellen.

Die Kantensteine als Wegeinfassung bestehen aus 1x1 mm Polystyrol-Profilen. Die habe ich in 1,15 cm lange Stücke (im Vorbild 1 m) geschnitten, mit Uhu aufgeklebt und dann in einem Rutsch Betongrau angemalt. Da die Wege, Gras und Boden erst später aufgestreut werden, ist die überschüssige Farbe auf der Grundplatte kein Problem.


Die Rankenbohnen von Busch würde ich niemandem empfehlen, die Kürbisse sind ein Klassiker der selben Marke.

Ansonsten war die Gestaltung der Gärten dann ein recht umfangreicher Griff in die Restekiste. Diverse Boden- und Sandreste aus irgendwelche Döschen, die bei anderen Projekten übrig geblieben sind, wurden aufgestreut. Das Gras für die Wiesen stammt auch Tüten ohne Beschriftung, Busch, Heki, Faller MiniNatur und was weiß ich.


Die linke Hälfte der Schrebergärten fertig gestaltet mit menschlichen und tierischen Bewohnern.

Für die Bepflanzung der Gemüsegärten habe ich noch eine Packung Bohnenranken von Busch gekauft. Würd ich nicht wieder machen, die von Noch sind schöner. Einige nicht allzu unansehnliche Schaumflocken für das Salatbeet, die Kürbisse von Busch (ja, im Sommer, irgendwann muss die Packung mal leer werden) und Kohlköpfe von Freund Oliver, die Wohl als Grundlage einen Pfefferkorn und etwas Alufolie haben.


Auch rechts ist einiges Los. Ich hoffe die Gänse vertragen sich mit den Tauben.

Die Bewohner der Tiergehege sind die Üblichen von Preiser und Noch. Hühner, Gänse und Tauben. Die Kaninchen im Stall sieht man durch die Gitter nicht. Auch die menschlichen Figuren sind nicht aus einer speziellen Packung, über die Jahre sammeln sich auch da einige Figuren, die bei so einem Projekt passen.


Überblick von weiter weg. Der Abstand zum Ufer ist angenehm großzügig gewählt.

Damit war das Gartenprojekt abgeschlossen. Entstanden übrigens auf einem Basteltreffen mit einem Haufen netter anderer Leute. In der nächsten Runde geht es weiter mit den Telegrafenleitungen und dazu noch einem Hausklassiker.

Dienstag, 21. April 2020

Nachbau der Dürener Dreigurtbrücke Teil 8

Nachdem im letzten Teil Brücken und Wasser fertiggestellt wurden, geht es wie angekündigt jetzt an den Landschaftsbau. Damit habe ich im Winter 2019 parallel zum Flussbau begonnen, dann aber nach dem Fremotreffen in Cloppenburg im Juni abgebrochen. Die Dokumentation hier ist daher nicht chronologisch, sondern themenbezogen.

Mein bevorzugtes Material zum Landschaftsunterbau ist und bleibt Styrodur. Nach dem Kauf etwa ein Jahr abgelagert ist die Tendenz zu schwinden gering. Durch gutes Verkleben mit Heißkleber und einen ordentlichen Schuss Leim in der Spachtelmasse konnte ich das Abreißen vom Modulkasten abstellen.


Styrodurplatten mit wabenförmiger Oberfläche haben sich für das spätere Spachteln bewährt.

Wichtig ist es möglichst viele der Landschaftskonturen mit dem Styrodur vorzuformen. Das gelingt gut mit dem Cuttermesser, auch wenn man die Klingen häufig wechseln muss. Dann muss am Schluss nicht mehr so viel Spachtel aufgetragen werden, und das spart den Rest des Modullebens Gewicht.


Fast fertig gespachtelt. Ein Schuss braune Farbe in der Spachtelmasse sorgt direkt für ein vorzeigbares Ergebnis.

Der nächste Schritt ist, wie seit über 20 Jahren bei all meinen Modulen, die Bemalung mit Schokobraun und das Aufbringen von gesiebtem Sand in verdünnten Leim. Erst auf dieser Grundlage beginne ich damit die Landschaft zu gestalten. Da die Gestaltung für Fremotreffen der Epoche II stimmen soll, wollte ich nur dazu passende Szenen verbauen. Eine Neuerscheinung der Firma Artitec im Frühjahr 2019 war ein Ackergaul mit Pflug und Landwirt. Es gibt eine entsprechende Szene auf einem Bellingrodt-Foto, also wollte ich diese nachstellen. Um den frisch aufgeworfenen Acker darzustellen habe ich den gesiebten Sand mit Leim vermengt, und dann auf die vorgesehene Fläche gebröselt. Die Brocken habe ich dann mit einem Stahllineal gleichmäßig zu Furchen modelliert, und am einer zur Hälfte gezogenen Linie das Pfluggespann verbaut.


Das Pferd mit Pflug von Artitec wurde auf den frisch aufgeworfenen Acker gestellt.

Und nun der Sprung ins Jahr 2020: Die alte Brücke war ein weiteres Detail, welches nun auch sinnvoll in die Szenerie integriert werden musste. Es soll ja die Phase kurz nach der Inbetriebnahme der neuen Dreigurtbrücke dargestellt werden. Daher habe ich auf der Steinbogenbrücke und den zugehörigen Zufahrten zwar keine Gleise, wohl aber noch den Gleisschotter mit den noch sichtbaren Spuren der Schwellen dargestellt.


Für die neue Brücke wurde das Gleis weiter nach innen verlegt, der alte Schotter blieb zurück.

Dazu muss man zunächst eine dünne Schicht Schotter auf die Trasse aufstreuen. Ich habe ihn einfach in die frische Farbe eingestreut. Danach habe ich Gleisjoche aufgelegt und grob eingeschottert. Noch bevor ein Tropfen Feuchtigkeit zum Einsatz kam habe ich die Gleisjoche wieder heraus genommen. Erst dann wurde der Schotter gewässert und mit Leimwasser fixiert.


Mit etwas eingestreutem Boden sieht der Schotter schon nicht mehr so frisch aus, wie auf der neuen Trasse daneben.

Für die Begrünung habe ich mir der Fremo-Lehre nach Friedel und LCU bedient: Erst eine Schicht kurze Grasfasern der Sorte Spätherbst von MiniNatur, die mit dem Elektrostaten aufgeschossen wird. Diese saugt man nach dem trocknen ab, natürlich nicht ohne einen alten Damenstrumpf, um Material zurück zu gewinnen.


Die erste Schicht Gras wurde aufgeschossen, auch an einigen Stellen der Alttrasse.

Die Alttrasse sollte schon wieder einigen Grasbewuchs aufweisen, denn ich denke bei solchen Arbeiten wurde der Schotter so stark verunreinigt, dass sich die Natur an einigen Stellen schneller das Terrain zurückerobert hat. An den Stellen, wo Büsche stehen sollten, habe ich eine Mischung aus Laubimitat von Faller oder Busch und etwas feinem Turf von Woodland aufgestreut. Da ich an diesen Stellen vor dem Begrasen keinen Leim aufstreiche, lassen sich die Fasern wieder absaugen.


Auch Wege und die Standorte für Büsche sollten vor diesem Schritt bereits festgelegt sein. Die Standorte der Büsche sind die hellen Stellen, auf denen hier noch die Grasfasern aufliegen.

Natürlich muss das Gras unter den Brücken aufgebracht werden, wenn die Brücken abgenommen sind. Dafür reicht hier meiner Meinung nach eine Grasauftrag mit dem Spätherbst-Material, weil hier die Vegetation aufgrund des schlechteren Lichts schlechter wächst. Nach dem Begrasen unter den Brücken(erfolgte irgendwann im Herbst 2019) habe ich die Steinbogenbrücke endgültig verschraubt und verklebt, damit das Modul seine endgültige Stabilität erhielt.


Das Gras unter den Brücken wurde aufgebracht, bevor diese fest montiert wurden.

Ein Bereich, dessen Gestaltung ich im nächsten Teil zeigen möchte, ist eine Schrebergartensiedlung, die sich beim Vorbild im Nordosten der Brücke befindet. Diesen Bereich habe ich sowohl beim Besanden, als auch beim Begrasen ausgelassen.


Auch rund um die freie Fläche für die Schrebergärten sind die braunen Stellen zu sehen, an denen die Büsche stehen werden.

Dann kommt die zweite Schicht Grasfasern. Dazu wird eine nur leicht verdünnte Leimmischung auf die getrockneten und mit einer Bürste abgesaugten Fasern des ersten Durchgangs aufgedotzt. Es hat sich bei mir ein Runder Malerpinsel mit ca. 2 cm Durchmesser bewährt. Dabei sollten nicht alle Flächen gleich stark benetzt, und ruhig einmal einige Stellen ausgelassen werden, um keine zu gleichmäßige Grasfläche zu erhalten. Rund um die Büsche und Bäume wirken dunklere Fasern gut, weil Gras im Schatten nicht so schnell vertrocknet.


Am Ufer ist der Bewuchs dichter, da dieser Bereich weder bewirtschaftet, noch durch die Reichsbahn gepflegt wird.

Dann können die Büsche gepflanzt werden. Dazu kommen sehr schöne Exemplare von MBR zum Einsatz, aber auch Material von Polak und vereinzelt mit Schaummaterial begrüntes Seemoos aus der Großpackung von Heki. Wichtig ist es keine zu aggresiven Farben, und kein Frühlings- oder Herbsttöne zu verwenden.


An der Unterführung machen sich neben ein paar Büschen auch epochengerechte Werbeplakate sehr gut.

Soviel zum kleinen Überblick zur Landschaftsgestaltung. Leider habe ich den Begrasungvorgang kaum dokumentiert, aber dabei kommt es auf Sekunden an, um nicht den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, bevor der Leim eine Haut bildet und keine Fasern mehr aufnimmt. In der nächsten Episode gibt es dann aber wieder mehr Einzelschritte zu sehen. Dann kommen wir zu den Schrebergärten.