Bahnhof Buldern und der EfBB

Der Bahnhof Buldern liegt an der Verlängerung der Rollbahn im Abschnitt Münster-Recklinghausen zwischen den Bahnhöfen Appelhülsen und Dülmen. Heute handelt es sich lediglich um einen Haltepunkt, der stündlich zwei mal je Richtung von der DB Regio bedient wird. Doch bis in die 1990er Jahre war es ein Bahnhof mit Anschlussgleis und drei Überholgleisen. Ein Gleisanschluss einer nahe gelegenen Maschinenbaufirma war geplant, kam aber nicht zur Ausführung.


Nach vielen Jahren der Arbeit wieder auferstanden: Das Empfangsgebäude von Buldern zeigt sich im Sommer 2015 in altem Glanz. Auch wenn man sich über Schönheit streiten kann, so ist das Gebäude ein typisches Beispiel für die Architektur der Nachkriegszeit, jedoch in seinem kompakten Aufbau einzigartig.

Buldern kam, trotz seines sehr dörflichen Charakters, bereits 1878 zu einem Bahnanschluss. Der Legende nach hat der Graf Gisberg von Romberg, der im Schloss Buldern wohnte, auf dem Rückweg von Geschäften im nahen Münster vor seiner Haustür so oft die Notbremse gezogen, dass die Bahnverwaltung nicht um das Anlegen eines regulären Zughaltes herum kam. Neben den anderen Erzählungen vom Grafen hat es diese Geschichte sogar zwei mal (1932 und 1957) ins Kino geschafft, gespielt wurde der "Tolle Bomberg" 1957 von niemand geringerem als Hans Albers.


Zwar kein Original, aber für jedes Empfangsgebäude ein Muss ist die große Bahnhofsuhr, die im Januar 2015 installiert wurde.

Es sind mindestens 2 Empfangsgebäude von Buldern bekannt, die jedoch mehr für das integrierte Stellwerk, als für den wartenden Reisenden konzipiert wurden. Bis nach dem 2.WK gab es ein Fachwerkgebäude mit angeschlossenem Fachwerkschuppen, der wahrscheinlich in den 1920er Jahren aufgrund von zunehmendem Stückgutaufkommen erweitert wurde. Ein mechanisches Stellwerk für die Weichen der westlichen Ausfahrt war der zentrale Teil dieses Gebäudes. Zusätzlich gab es ein kleineres Stellwerk am östlichen Ende, an welchem aber auch ein Wasserhaus vorhanden war, um die auf den dort befindlichen Überholgleisen wartenden Dampfloks speisen zu können.

Nach dem Krieg wurde die Bahn moderner. 1956 wurde eine neues Dr-Stellwerk mit Lorenz 20 Stelltisch errichtet, welches in ein ebenfalls neues Gebäude mit Büro- und Sozialräumen für Bahnbedienstete und einem Warteraum für Reisende eingebaut wurde. Das alte Fachwerkgebäude musste weichen, der Güterschuppen blieb erhalten. Einige Bilder aus dieser Epoche findet man auf der Seite der Eisenbahnfreunde Bahnnhof Buldern.


Dornröschenschlaf: Am 09.01.2010 ist das Empfangsgebäude tatsächlich kein Aushängeschild für Buldern.

Abgesehen von der Elektrifizierung im Jahr 1966 änderte sich bis 1998 an der Situation fast nichts. Dann wurden Empfangsgebäude und Stellwerk aufgegeben. An der gesamten Strecke wurden Ks-Signale installiert. Seitdem wird der Streckenabschnitt zwischen Bösensell und Recklinghausen Süd von Dülmen aus ferngesteuert. Anschluss und Überholgleise wurden nach und nach zurückgebaut. Die letzten Reste verschwanden im Jahr 2007, als die Gleise zwischen Dülmen und Appelhülsen erneuert wurden und die alte "Glückaufschranke" gleich neben dem Empfangsgebäude einer Unterführung platz machte.

Das Empfangsgebäude zerfiel immer mehr, langsam wurden Randaleschäden sichtbar. Doch bereits im Jahr 2001 hatten Vereinsmitglieder des MEC Dülmen dem damaligen Bürgermeister Püttmann den Plan vorgestellt, das Empfangsgebäude als Vereinsheim zu übernehmen und zu erhalten. Die Pläne der Stadtverwaltung sahen indes anders aus. Sie wollte Gebäude und Grundstück zwar kaufen, jedoch sollten das in dieser Form und auch aus dieser Epoche einzigartige Gebäude Parkplätzen abgerissen werden.


Im Jahr 2010 besichtigten die Mitglieder des MEC Dülmen den Bahnhof Buldern erstmals. Das Gebäude befand sich in diesem jämmerlichen Zustand.

Was dann jedoch, nach der Vorstellung von sorgfältig ausgearbeiteten Konzepten zum Erhalt und Betrieb des Gebäudes, ca. 2010 begann Realität zu werden, ist eine Erfolgsgeschichte, die selbst den einst größten Kritikern Lob und Anerkennung abverlangt. Die Stadt Dülmen erklärte sich bereit das Gebäude mitsamt Grundstück für den symbolischen Preis von einem Euro an einen zu gründenden gemeinnützigen Verein zu verkaufen, und einen Teil der gesparten Abrisskosten als Startkapital zur Verfügung zu stellen. Nachdem aus die Bahn dem Verkauf zugestimmt hatte wurde der Verein "Eisenbahnfreunde Bahnhof Buldern" im März 2011 gegründet.


Der neue Parkplatz ist gerade fertig, das Gebäude zeigt sich von außen noch nicht stark verändert. Doch innen wurde am 06.10.2012 bereits fieberhaft gearbeitet.

Seitdem wurden unzähligen Arbeitsstunden in das Gebäude investiert. Zuerst wurde der Verfall gestoppt und das Gebäude soweit gesichert, dass keine weiteren Schäden entstanden oder Personen zu Schaden kommen konnten. Nach einer gründlichen Entrümpelung, bei der unter anderem mehrere Tonnen Schrott und Bauschutt aus den Räumen geschafft wurden, konnte die Sanierung mit der Schaffung einer neuen Infrastruktur beginnen. Da im Winter 2011/2012 die geplanten Parkplätze nunmehr rund um das Gebäude angelegt wurden, konnten Tiefbauarbeiten für Ver- und Entsorgung direkt mit durchgeführt werden.


Am 07.09.2012, einen Tag vor dem ersten Bahnhofsfest, sehen wir hier die Verbretterung der Kanzel. Über zwei Jahre lang rätselten ankommende Reisende, was es mit den Buchstaben "EfBB" auf sich haben könnte.

Danach war nach außen längere Zeit nichts zu sehen. In den Jahren 2012 und 2013 nahm die Sanierung der Sozialräume die gesamte Zeit in Anspruch. Die beiden Relaisräume wurden zum Vereinsheim für den Modelleisenbahnclub umgebaut, aus dem Büro wurde eine Küche, im ehemaligen Schalterraum wurde ein zweites WC abgeteilt und das neue Büro entstand. Im Juli 2013 zog der MEC Dülmen in die neuen Räume ein und im September 2013 konnte zum ersten mal ein Bahnhofsfest stattfinden, bei dem beide Vereine sich und ihre neuen Räumlichkeiten präsentierten.


Im Sommer 2014 sind die großen Baustellen geschafft. 103 235-8 war am 22.07.2014 noch im Betrieb und zieht mit ihrem IC an der neu verglasten Kanzel vorbei.

2014 war dann das Jahr, in dem auch nach Außen klar wurde, dass hier etwas großartiges entsteht. Durch die finanzielle Unterstützung der Maßnahme "integrierte ländliche Entwicklung" des "NRW-Programms Ländlicher Raum 2007-2013" und die tatkräftige Mithilfe einiger Handwerksbetriebe konnten alle Fenster erneuert bzw. saniert werden. Die Verbretterungen, die jahrelang das Bild des Bahnhofs Buldern geprägt hatten, verschwanden zwischen Februar und August fast vollständig. Auch die Dächer und Dachentwässerungen wurden abschließend erneuert und viele marode Balken im Fachwerk des Güterschuppens ausgetauscht. Die Graffitis wurden vollständig übermalt und der Bahnhof erhielt wieder ein Stationsschild.


Auch die Wartehalle wurde im August 2014 neu verglast, und kann jetzt wieder genutzt werden.

Seitdem lässt es der Verein wieder etwas ruhiger angehen. 2015 wurden viele Arbeiten in der Kanzel ausgeführt. Außerdem schritt die Gestaltungen der Außenanlagen, vor allem in Form von Pflasterarbeiten, gut voran. In naher Zukunft sollen diese Arbeiten abgeschlossen werden. Auch in der Wartehalle stehen noch einmal viele Arbeiten an und der Güterschuppen hat noch lange nicht den finalen Anstrich gesehen. Auch dafür würde sich der Verein über tatkräftige Hilfe und Spenden freuen.

Der Vereinsabend des EfBB ist immer Donnerstag von 18 - 20 Uhr. An jedem ersten Samstag im Monat treffen sich die Vereinsmitglieder zum "Bausamstag", um gemeinsam größere Projekte zu realisieren.

Adresse: Max-Planck-Straße 16, 48249 Dülmen-Buldern Homepage: Eisenbahnfreunde Bahnnhof Buldern

Links mit weiteren Bildern:
NRW-Bahnarchiv von Andre Joost
Aus der Reihe "Alte Stellwerke" auf DSO
Aus der Reihe "Null Züge, aber Buden" auf DSO
Youtube-Video der Dülmener Zeitung


Ein Flirt 3 fährt am sanierten Güterschuppen vom Bahnhof Buldern vorbei, an dem seit Herbst 2014 wieder ein Stationsschild montiert ist.

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