Dienstag, 29. Dezember 2015

Wendezug mit BR65

Die bisherigen Mühen an den Personenwagen haben ein Ziel: ich möchte einen Wendezug mit einer BR65 als Lok und einem Mitteleinstiegssteuerwagen aufbauen, wie er von 1951 bis 1966 im Raum Essen eingesetzt wurde, z.B. auf der Linie Essen-Düsseldorf über Kupferdreh. Ich finde trotz des Hasenkasten-Steuerwagens hat dieser Zug eine gewisse Eleganz, aber auch die Sachlichkeit der 50er Jahre.


Der gesamte Wendezug mit geschobenem Steuerwagen.

Bevor ich mich der Dampflok zugewendet habe waren noch einige letzte Handgriffe am Steuerwagen nötig. Die "Pufferbohle" habe ich mit noch vorhandenen Teile aufgerüstet. Die Kupplungskulisse ist damit verbaut, aber dank eines Michael Weinert Hakens können Wagen mit Eilgut immernoch mitgenommen werden. Dann war etwas Schminke angesagt. Die oberen 3 Lampen haben schwarze Dichtungen, die unteren 2 verchromte Zierringe. Die Scheibenwischer können noch hervor gehoben werden und den Signalhörnern verleiht ein Tropfen Farbe auf der Spitze mehr Tiefe.


Aufgerüsteter Steuerwagen mit etwas farblicher Gestaltung. An der Pufferbohle sehen wir: Stecker für die Wendezugeinrichtung, 2 Bremsschläuche, Dampfheizkupplung, Michael Weinert Kupplung, 2 weitere Bremschläuche und unter dem Puffer die Steckdose für die Wendezugeinrichtung.

Die Wendezüge der BD Essen wurden von 65ern und 78ern geschoben. Nachdem der Einsatz der Loks 65 012 und 65 013 nach dem Ausmerzen der Kinderkrankheiten dieser Loks sehr erfolgreich verlief wurde die gesamte zweite Bauserie, Loks 65 014 bis 65 018, nach Essen geliefert. Die 65 018 wurde, nachdem es schnell zu Lagerschäden gekommen war, noch vor der Lieferung mit einem Leichtlauffahrwerk, mit welchem ca. 200 kg im Antrieb durch den Einsatz von härterem und damit dünner ausführbarem Stahl eingespart wurden, ausgeliefert. Da die Lok erst in Minden erprobt wurde begann der reguläre Einsatz erst im Oktober 1956. Diese Lok wird von Fleischmann hergestellt, weil das Vorbild noch erhalten ist. Ich will diese Betriebsnummer behalten, weil die Lok bei mir immer diese Nummer hatte. Außerdem gibt es auch Bilder von der Lok im Bereich Coesfeld, also ist etwas Münsterland mit drin.


Die 65 018 vor dem Wendezug.

Das Modell habe ich seit dem letzten Schultag 1998, Zeugnisgeld. Eine dieser Dampfloks, die vor den Fremoeinsatz eigentlich erst für viel Geld zu Herrn Gräler müssen, um ein gefedertes Fahrwerk und RP25 Räder einzubauen. Ich konnte es aber nicht lassen den Umbau selbst vorzunehmen. Die Haftreifen, die beim Betrieb in der Ebene nicht benötigt werden, hatte ich schon vor längerer Zeit entfernt. Das verbessert die Stromabnahme deutlich. Die Triebachsen wollte ich nicht ausbauen (wüsste auch garnicht wie?) und habe daher einen Tip von einem Modellbahner aus Münster aufgegriffen: Spurkränze mit dem eigenen Antrieb abschleifen. Brutal! Details nenne ich keine, aber es hatte mit einer dicken Schraubzwinge, direkt an den Motor gelöteter Stromversorgung, einigen Feilen und einem Stechbeitel zu tun... Ich kann keinem empfehlen das nachzumachen, bei mir scheint es aber geklappt zu haben.


Die 65 018 mit flacheren Spurkränzen, die auf dem Basteltisch heruntergeschrubbt wurden.

Der Beleuchtung musste auch Beachtung geschenkt werden. Die Loks hatten schon ab Werk Halter für das dritte Spitzenlicht. Ich belasse es daher an der Tenderseite bei 3 Lampen. Die unteren wurden mit roten Reflexscheiben zu Schlusslichtern umfunktioniert, wenn der Zug geschoben wurde. Da die Loks im Regelfall mit der Rauchkammertür am Zug standen ist ein Umbau auf der Vorderseite nicht nötig. Dort werde ich wohl auch noch das dritte Spitzenlicht abschneiden und gegen einen Laternenhalter austauschen.

Ein Umbau der Beleuchtung war also nur im Kohlenkasten nötig. Die Lichtleiter habe ich abgeschnitten und als Gläser wieder in die Fassungen gesteckt. Dahinter habe ich SMD-LED und Duo SMD LED geklebt und im Kohlenkasten verkabelt. Hatte ich erwähnt, dass ich da nicht gut drin bin und Kupferlakdraht noch nie mein Freund war? Es hat auf jeden Fall beim ersten Versuch geklappt. Ganz gleichmäßig ist es nicht geworden, aber wenn ich die Lok das nächste mal auf mache um einen Sounddecoder einzubauen werden die LED noch einmal nachjustiert. Da ich nur die Kabel ca. 3 mm von der Lampenöffnung entfernt verklebt habe dürfte das noch gehen. Die Spitzenlichter von Lok und Steuerwagen liegen auf der gleichen Adresse, womit der gesamte Wendezug mit der Fahrtrichtung die Spitzen- und Schlussbeleuchtung wechselt.


Dreilichtspitzensignal beim ziehen des Wendezuges. Die Pufferbohle wurde nach unten verlängert und aufgerüstet mit: Rangierergriffen, Bremschlauch, Dampfheizkupplung, Michael Weinert Kupplung, Bremsschlauch und Steckdose für die Wendezugsteuerung.

Die Pufferbohle wurde von Fleischmann nur 3 statt 4 mm hoch ausgeführt, um Spiel für die serienmäßige Kupplung zu lassen. Da diese auf der Tenderseite nicht mehr benötigt werden konnte die Bohle mit etwas Polystyrol verlängert werden. Die Pufferbohle wurde anschließend mit Rangierergriffen, Bremsschläuchen, Michael Weinert Kupplung und Steckdose für die Wendezugsteuerung ausgerüstet. Dabei darf man nicht vergessen auf der Rückseite eine ebene Fläche zu hinterlassen, weil man die Lok sonst nicht mehr zerlegen kann. Das Kabel für die Hagenuk-Steuerung habe ich weg gelassen. Da einscheinend kein Platz für eine Halterung war, wurden die beim Vorbild an die Leiter des Kohlenkastens geknotet oder demontiert. Die Pufferbohle auf der Kesselseite werde ich nicht verändern. Da ich weiterhin eine GFN-Profikupplung verwende benötige ich den Platz. Betriebssicherheit geht vor Optik. Alternativ wäre eine Originalkupplung und Federpuffer möglich gewesen, aber das ist bei im Fremo oft immernoch zu engen Weichenstraßen mit direkten Gegenbögen nicht empfehlenswert.


Zwei rote Schlussleuchten beim Schieben des Zuges. Beim Modell müssen keine roten Scheiben in die Lampen eingeschoben werden.

Da Fleischmann die Museumslok der Stoom Stichling Nederland nachgebaut hat, wurden fast alle Änderungen gegenüber des Auslieferungszustandes übernommen. Was beim Betrachten des Vorbildes fast nicht auffällt ist, dass die Kohlenkästen zur Zeit bei der BD Essen Abdeckplatten hatten, die vom Führerstand aus geöffnet und geschlossen werden konnten. Heute sind diese Klappen bei der Lok verschwunden, die Niederländer haben sogar den Kohlenkasten mit einer Holzumrandung erhöht.

Beim Modell fällt der Umbau deutlich mehr auf, denn hier schaut der Betrachter ja meist von oben auf die Lok. Dadurch wird das Ergänzen der Klappen reizvoller. Vorbildfotos lagen mir leider nicht vor, aber Rolf Weinert hat die Abdeckung für den Umbausatz nachgebaut. Die habe ich also kopiert. Benutzt habe ich 0,5 mm Polystyrolplatten, aus denen ich die feinen Anbauteile gemacht habe. Die Scharniere bestehen aus 0,5 mm dicken Drahtstücken. Teilweise geöffnete Klappen fand ich reizvoll, also habe ich die Klappen so dargestellt.


Die Abdeckung des Kohlekastens im Rohbau.

Um die Abdeckungen nach dem Lackieren in matt schwarz montieren zu können, habe ich einige Kunststoffkohlen im Kohleneinsatz abgeschliffen. Letzte Verfeinerung war etwas Echtkohle von JEWEHA, mit der ich die ohne Tiefenwirkung unecht wirkende Kunststoffkohle abgedeckt habe.


Die fertige Abdeckung des Kohlenkastens. Die Echtkohle von JEWEHA ist der letzte Schliff bei diesem Umbau.

Abgeschlossen sind die Arbeiten an Lok noch nicht. Neben den erwähnten noch ausstehenden Änderungen (Sounddecoder, Entfernung drittes Spitzenlicht) müssen in der Seitenansicht noch einige Sachen engepackt werden. Dringend nötig sind Kolbenschutzrohre, aber die fehlen mir noch.

Die 65 von Fleischmann ist kein perfektes Modell, besonders im Bereich des vorderen Rahmenschuhs unter den Wasserkästen hat die Lok große Schwächen. Trotzdem wird das Vorbild in seiner Wuchtigkeit und Höhe gut wiedergegeben. Technisch kann ich diese Lok, deren Fahrwerk von Fleischmann schon einmal überarbeitet wurde (der Haftreifen wanderte von der 3. auf die 2. Kuppelwachse) sehr empfehlen. Und der alte Fleischmann Motor, der quer verbaut ist, wird nach dem Digitalisieren zum fein steuerbaren Rangierlokmotor.

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