Mittwoch, 9. Dezember 2015

2. Teil Innenausbau an einem Umbauwagen BC3yg

Nachdem gelungenen Bastelauftakt beim Umbauwagenpärchen ging die Bastelorgie weiter. Stehen geblieben war ich beim Ausweiden des alten Einsatzes, von dem alle Sitzbänke gewonnen wurden.

Da ich noch nie mit einem Vorbildwagen gefahren war lagen mir keine Fotos vom Original vor. Eine längere Suche im Internet brachte einen Treffer, und so konnte ich anfangen die vorhandenen Teile so gut wie möglich umzubauen. Die 2. Klasse-Bestuhlung ist aus grauem mit Streifen gemustertem Velour. Die massiven Sitzkissen sind auf ein Messingfarbenes Rohrchassis montiert. Die Armlehnen sind dadurch bei den 3yg, im Gegensatz zu den 4yg-Wagen, durchbrochen. Die Armlehnen bei meinen Sitzrohlingen müssen also freigestellt werden.


Im ersten Schritt habe ich die Ecken der Armlehnen abgerundet und die Wange mit einem 0,5 mm Bohrer perforiert.

Zuerst müssen die Ecken rund gefeilt werden. Mit der Proxxon bohre ich mit einem 0,5 mm Bohrer so viele Löcher wie möglich in die Wangen und verbinde diese dann durch seitwärts ziehen des Bohrers. Das geht erstaunlich gut, ich habe nur eine Armlehne durchbrochen. Das Material ist sehr zäh, daher besteht kaum Bruchgefahr.


Durch den Missbrauch des Bohrers als Fräse werden die Löcher zu einem großen verbunden.

Die mittlere Lehne ist beim Original nach oben klappbar angeordnet. Daher muss hier auch die vordere Strebe entfernt werden. Da beim Rohling die mittlere Wange bis zur Rückenlehne durchgezogen ist lässt sich das Vorbild aber erstaunlich gut umsetzen. Ich habe die vordere Stütze erst stehen lassen, und am Schluss abgeschnitten.


Vorher und nachher: 12 Sitzpaare müssen auf diese Weise verbessert werden.

Weitere Verbesserungen an der 2. Klasse Bestuhlung: Aus konstruktiven Gründen hat Fleischmann einige Teile weggelassen. Diese habe ich ergänzt. Die Kopfstützen sind ca. 20 cm oberhalb der Rückenlehnen direkt auf die Wände montiert. Es muss also ein Zwischenraum gefeilt werden. Die Lücke muss später in Wandfarbe lackiert werden. Und um die Kopfstützen zu polstern habe ich 0,5 mm Polystyrol rund gefeilt und zwischen die Wangen geklebt. Da es sich um einzelne Sitze handelt habe ich eine Fuge zwischen die beiden Sitze unterhalb der klappbaren Armlehne geschnitten. Was ich noch nicht darstelle sind die Gepäckgitter. Ich habe kein entsprechendes Ätzteil auf dem Markt gefunden, evtl. muss man sich so etwas mal bei einem Lohnätzer machen lassen.


. Testaufbau der Innenrichtung noch vor der Verbesserung der Kopfstützen. Die weißen Stellen musste ich ergänzen, weil sie beim originalen Einsatz fehlten. Alle sitze stehen auf 2 mm hohen Polystyrolklötzchen.

Den Umbau der 3. Klasse Bänke hatte ich ja schon einmal gezeigt. Parallel zum BC habe ich auch direkt die Bänke des B3yg aufgepolstert und rund geschliffen. Das spart Bastelschritte und ich muss die Farbe nur einmal anrühren. Zur Lackierung benutze ich eine Mischung aus zwei Teilen Ziegelrot und einem Teil Lehmbraun von Revell Aquacolor. Die Halterohre bestehen aus 0,3 mm Federbronze und werden in 0,4 mm Bohrungen geklebt.


Die zwei- und dreisitzigen Bänke der 3. Klasse jeweils mit und ohne Bügel, die vorgebogenen Teile habe ich davor gelegt.

Bei der Bemalung der 2. Klasse habe ich auf Experimente mit Streifenmustern verzichtet, obwohl es bestimmt toll aussehen würde. Ich habe mich für ein leicht abgedunkeltes Steingrau entschieden. Alle Messingteile wurden entsprechend hervor gehoben und die Verkleidungen der Sitze entsprechend der Innenwände lackiert. Alle sitze stehen auf Klötzchen aus 2 mm Polystyrol, die ich schwarz angemalt habe. Eigentlich sind es beim Vorbild Füße aus Metallrohren. Deren Bau und Ausrichtung hätte aber den Rahmen gesprengt.


Die fertig lackierten Sitzgruppen für den größeren Teil der 2. Klasse.

Über die Farbe der Innenwände in der 2. Klasse habe ich keine Informationen, beim einzigen Vorbildfoto sind nicht die originalen Verkleidungen dran. Ich nehme aber an, dass die sparsame Bundesbahn hier die gleichen Verkleidungen wie in der 3. Klasse nutzte.


Die 2. Klasse fertig montiert auf dem selbst gebauten Einsatzteil.


Die Toilettenzelle in der 3. Klasse habe ich vom origial Spritzling wiederverwendet.

Auch am Wagenkasten selbst und an den Fenstereinsätzen müssen einige Änderunge durchgeführt werden. Die Fenster der Vorräume werden recht knapp abgeschnitten, um noch zwischen die neue Trennwand und die Rückwand zu passen. Die Fensterbänder der Fahrgasträume werden in zwei farben, unten dunkelbraun, oben hellbraun (das Vorbild hatte helle und dunkle Holzvertäfelungen) angestrichen. Dort, wo die Fenstereinsätze Löcher haben, muss auch der dahinter sichtbare Wagenkasten lackiert werden. Dabei darf man die Innenecken nicht vergessen. Die Vorräume müssen blaugrün sein.


Fertig ausgebauter AB3yg, kein Vergleich zum Ausgangszustand. Was noch fehlt sind die Fahrgäste.

Mehrere Tage Bastelspass, nun bin ich mal wieder fertig. Wenn Figuren (selbst bemalt) drin sitzen und eine Innenbeleuchtung eingebaut ist zeige ich noch einmal das Ergebnis.

Samstag, 5. Dezember 2015

1. Teil Innenausbau an einem Umbauwagen BC3yg

Eigentlich würde ich jetzt gerade mit 15 anderen Frokelbegeisterten in der Nähe von Paderborn sitzen und um die Wette basteln. Leider hat mich aber das zweite Wochenende in Folge eine Seuche dahin gerafft. Nun nehme ich zwar nicht direkt teil, bin aber via Mobatalk mit dem Frokeltreffen verbunden und bastel von zu Hause aus mit. So kann ich mich auch um das für dieses WE vorgesehene Projekt kümmern.

Bereits vor 18 Jahren hatte ich mir, weil ich eine GFN BR 65 besitze, einen dazu passenden Wendezug Essen-Düsseldorf, bestehend aus 3-achsigen Umbauwagen und einem Mitteleinstiegs-Steuerwagen CPw4ymg aufgebaut. Das Unwissen der damaligen Zeit führte dazu, dass der Zug nicht epochenrein war. Der Steuerwagen war Epoche IIIa, die Umbauwagen und die Lok IIIb. Um die BR 65 kümmere ich mich später, hier sollte es mit dem Austausch der zusätzlichen Stirnlampe gegen eine Schlussscheibenhalterung getan sein. Vielleicht kann ja Weinert auch noch etwas für mich tun... Der Steuerwagen war schon damals maßstäblich und ein erhabenes Modell, wobei ich das dritte Spitzenlicht auch hier anzweifle. Bei den Umbauwagen handelte es sich um die Modelle von Roco. Damals waren diese ohne richtige Alternative, heute gibt es das fast perfekte Modell von Fleischmann. Einem Vergleich halten die Roco Wagen beim besten Willen nicht stand, also mussten diese ausgetauscht werden.

Weihnachten 2014 konnte ich ein Pärchen B3yg in IIIa erwerben. Inspiriert vom Umbaubereicht von Jörg Chocholaty im MEB Extra Nr. 1 "Die Umbauwagen" erfolgte der Umbau der Inneneinrichtung, welche ich hier im Lokbahnhof gezeigt habe. Da der Steuerwagen einen Gepäckraum besitzt wollte ich dazu noch eine Einheit mit 3. und 2. Klasse haben. Die Suche danach hat mit fast ein Jahr gekostet, aber neulich war ich in der Bucht erfolgreich.


Das Modell wie es aus der Schachtel kommt.

Von Außen ist der Wagen richtig klasse. Aber Innen ist viel Luft nach oben. Die Einrichtung ist aus einem Stück. Für einen umbeleuchteten Wagen ist das in Ordnung, mehr aber auch nicht. Dazu kommt, dass das Innenteil einfarbig grau gespritzt ist. Das soll die 2. Klasse Sitze darstellen. Die Kunstledersitze in der 3. Klasse müssen jedoch braun sein, daher sollte hier selbst der anspruchsloseste Modellbahner eine Änderung vornehmen.


Ohne Dach kann man die Inneneinrichtung sehen. Der Aufbau ist korrekt wiedergegeben.

Das Zerlegen des Wagen ist sehr einfach. Nach dem Herausziehen der Inneneinrichtung müssen die roten Lampeneinsätze raus, danach die Gummibälge. Dann lassen sich die Fenstereinsätze herausklipsen. Das Fahrwerk lässt sich leicht abziehen, ansonsten die Rastnasen von innen mit einem Werkzeug sachte aushebeln. Das Fahrwerk lasse ich so wie es ist, und bei einem nur im Personenzug laufenden Wagen sind auch keine Änderungen an der Kupplungen nötig.


Das Modell in seine Einzelteile zerlegt.

Erster Schritt auf dem Weg zum Vorbildwagen ist bei mir der Ausbau des Rolos an einem Übergang. 3yg waren als Paar gekuppelt und verfügten nur über jeweils eine Jalousie am Ende neben der Toilette bzw. beim BD3yg am Ende des Packabteiles. Den Ausbau des überzähligen Zubehörs bewerkstellige ich mit dem Sägeaufsatz der Proxxon, die Kanten werden mit dem Cuttermesser versäubert.


Der Wagenkasten mit nur einer Jalousie und der neue Einsatz für die Inneneinrichtung.

Die neuen Bodenplatten aus 1 mm Polystyrol habe ich schon beim Bau des ersten Pärchens letzten Winter vorbereitet, genau wie die Innenwände. Diese schließen an den Wagenenden dicht mit dem Wagenkasten ab. Die Fenstereinsätze werden entsprechend angepasst. So entsteht auch mehr Platz für die Inneneinrichtung. Diese wird komplett zerlegt und alle Sitze mit Hilfe von Roco-Säge und Cuttermesser von ihren Sockeln befreit. Die Einrichtungen der 2. Klasse bedürfen starker Nacharbeit, die 3. Klasse wird entsprechend des ersten Umbaus "nur" aufgepolstert.


Die von alter Bodenplatte und allen Sockeln befreite Bestuhlung.

Das Frokelwochenende geht noch weiter. Mal schauen, wie weit ich mit dem Wagen noch komme. Als nächstes geht es an die Sitze.

Dienstag, 24. November 2015

Ein Schweinestall in Ondrup

Bereits im Februar 2011 hatte ich über die Gebäude der Genossenschaft an der Ladestraße berichtet.

Damals hatte ich mich für die Minimallösung im Bereich des Fachwerkgebäudes entschieden, in dem sich die Schweinewaage befand. Zu dieser brachten die Landwirte der Umgebung ihre Mastschweine. Auf einem Bild aus dem Jahr 1976 ist hinter dem Fachwerkhaus ein Stallanbau zu sehen, der in Fragmenten noch heute erhalten ist (Rückwand und Dach), auf dem Luftbild von 1961 aber noch nicht da war.


Während an der Ladestraße Rüben verladen werden sehen die Gebäude im Hintergrund bis auf eine offene Tür verlassen aus.

Da der Bereich hinter dem Fachwerkhaus eigentlich die einzige nicht ausgestaltete Ecke vom Ondrup Modell ist habe ich mich jetzt entschieden, es einmal nicht zu eng zu sehen und den Anbau doch herzustellen. Weil der Platz nicht ausreicht, um den Stall komplett darzustellen, wird das Gebäude geschnitten und ist hinten offen. Dadurch muss der Stall innen ausgebaut und gestaltet werden. Material sollten Polystyrolplatten und Mauerplatten von Vollmer sein.


Der Rohbau des Stalls. Die Hühner im Vordergrund sie die bewegten von Viessmann.

Eine für mich neue Baustelle war der Innenausbau eines Stalls. Heute wäre dort alles aus verzinktem Stahl und die Tiere würden auf Spaltböden stehen, der hygiene wegen. Aber vor 50 Jahren gab so etwas noch nicht. Daher habe ich mich für Gitter und Türen aus Holz entschieden.


Stellprobe für alle Pfosten im Inneren des Stalls.

Um die Stäbe gut an den Wände befestigen zu können habe ich die Pfosten dort aus Polystyrol geschnitten und mit Kunststoffkleber vor dem Lackieren auf die Wände geklebt. Ich hoffe so wird die ansonsten geleimte Konstruktion haltbarer.


Ziegelrot gestrichene Wand und Verfugung aus Staubfarbe. In den Fenstern sind Gitterstäbe aus 0,8 mm Polystyrol.

Auf dem Vorbildfoto kann ich keine Verglasung erkennen. Da es sich bei dem Stall nur um eine Art Zwischenlager und keinen Maststall handelt, der Winterfest sein müsste, habe ich auf Scheiben verzichtet und nur die sichtbaren Gitterstäbe dargestellt. Bei Kälte können ja auch die Fensterläden geschlossen werden.


Von innen wurde der Stall mit Revell Aquacolor bemalt. Die Wände durfen dabei nicht zu sauber erscheinen.

Das Dach ist beim Vorbild ein Eternit-Dach. Vor Ewigkeiten, es könnte vor 15 Jahren gewesen sein, habe ich die mal in viel zu Dick aber schön geprägt von Willis gekauft. An den Kanten habe ich die Platten von unten um 1 mm abgeschabt, um eine filigraneren Eindruck zu erhalten. Die Dachsparren habe ich auch nur an den Kanten aus Polystyrolprofilen hergestellt und aufgeklebt.


Das Eternit-Dach greift unter das Ziegeldach, welches zuvor gekürzt werden musste.

Die Ställe bestanden beim Vorbild oft aus Holzbohlen. Dafür nehme ich in Streifen geschnittene Furnierhölzer. Die Klebung erfolgt ganz traditionell mit Leim.


Die Unterteilungen des Stalls hat beim Vorbild nur eine Höhe von einem guten Meter.

Die Türen habe ich aus Furnierplättchen geschnitten und rudimentäre Riegel dargestellt. Das schon leicht verschmutzte Stroh besteht aus einer Masse aus Sand, Leim und Hekigras. Ich habe noch einige Schweine in verschiedenen Größen von Preiser gefunden. Nachdem diese entgratet und nachlackiert waren lebt es schon etwas im Stall.

Nun sieht man, dass der Stall hinten offen bliebt. So bekommt man in noch ein Gebäude von Ondrup Einblicke.

Die Tür und die Fensterläden bestehen aus Furnierholz mit Bändern aus braun bemalten Polystyrolprofil.


Die Rückansicht des Stalls. Hier muss auch noch etwas gestaltet werden. Vielleicht ein Waschbottich?

Der Stallanbau ist auf der Seitenerweiterung fest montiert. Es fliegt also kein weiteres Teil herum, welches beim Transport einzeln verpackt werden muss. Wenn das Umfeld fertig gestaltet und einige Schweine ergänzt sind, wird die Ecke sicher zu einem weiteren Blickfang und Fotoobjekt.


Ein "paar" Schweine gab es in Ondrup ja schon. Jetzt kann man sie noch passender vor dem Schweinestall platzieren.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Kleines Modularrangement beim MEC Dülmen

Der Modelleisenbahnclub Dülmen 1988 e.V. versucht seinen Mitgliedern mindestens einmal jährlich die Gelegenheit zu geben, auf der vereinseigenen Modulanlage Betrieb zu machen. Zwar war in diesem Jahr aus terminlichen Gründen der Aufbau einer Großanlage nicht möglich, aber eine ca. 20 m lange Strecke konnte im Schuppen des Bulderner Bahnhofes trotzdem hingestellt werden.


Der Modulaufbau im Bahnhof Buldern im Oktober 2015.


Aus der Gegenrichtung sieht man im Vordergrund dem im Rohbau befindlichen Bahnhof Vreden eines Vereinsmitgliedes.

Leider wurde nicht nach Fahrplan gefahren, doch bei der überschaubaren Anlage wäre dies sicherlich übers Ziel hinaus geschossen gewesen. Über drei Wochen konnten die Vereinsmitglieder nach Herzenslust ihre Schätze ausprobieren. Es war mir auch noch möglich einige schöne Fotos zu machen, wenn auch lediglich mit einigen Triebzügen, die allesamt auf der von uns nachgestellten Strecke Dortmund Gronau Enschede gefahren sind. Damit lasse ich es für dieses mal mit Text gut sein und zeige eine Reise durchs Münsterland im Maßstab 1:87.

Der Nachbau des Bulderner EG steht hier auf dem Bahnhof Vreden. Davor der clubeigene Talent der Prignitzer Eisenbahn.


Gerade in Merfeld abgefahren ist der Triebwagen der Baureihe 515.


Der Prignitzer Talent steht hier am Bahnsteig von Merfeld.


Auch ein Talent der DB Regio befindet sich im Besitz des MEC Dülmen.


Nicht nur das Modell des 515er von Kato ist bei der Einfahrt in Merfeld eine Augenweide.


Hinter dem zweiten Merfelder Bahnsteig erstreckt sich der Schrottplatz Ludzey, dessen Gestaltung nun auch Fahrt aufgenommen hat.


Hier fährt der Akkutriebwagen an den Gärten am Nachbau des Krummenweges in Dülmen vorbei.


Die Unterführung am Haverlandweg wurde schon vor 10 Jahren durch den MEC Dülmen nachgebaut.


Hier geht es an weiteren Häusern und Gärten mit Vorbildern in Dülmen vorbei...


... um abschließend kurz vor dem Schattenbahnhof Spiekerhof noch die Überführung "An den Wiesen" zu passieren.

Soweit einige Impressionen von diesem Arrangement. Natürlich konnte auch kein Wert auf die Einhaltung der korrekten Reihenfolge oder Ausrichtung der Module gelegt werden, dafür ist der Raum zu klein.

Bitte beachten Sie auch die neue Seite Bahnhof Buldern und der EfBB in diesem Blog, mit vielen Bildern, Infos und Links zum Bahnhof Buldern.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Schriftarten auf Stationsschildern

Wenn man schon ein Stück Ondrup im Bastelzimmer stehen hat, dann ist das die Gelegenheit weitere neue Erkenntnisse umzusetzen. Auf dem schon für den Umbau des Gartens genutzten Foto konnte man noch ein weiteres Detail sehen: Ein Stationsschild in Form eines Dreibocks. Diese Konstruktionen aus drei Stützen und zwei Stationsschildern sind zumindest in Dülmen und Merfeld ebenfalls dokumentiert. Leider kann ich die Bilder hier nicht zeigen. In Dülmen wurde eine Laterne als vordere Stütze mit verwendet. In Merfeld war es eine in den Boden gerammte Schiene. Die verwendeten Schriften sind nicht eindeutig zuzuordnen, ich denke es handelt sich um in Handarbeit erzeugte DIN 1451 Mittelschrift. Die Buchstabenbreiten passen aber nicht, daher tippe ich auf Handarbeit.

Der Dreibock mit einem Schienenprofil als vordere Stütze.

Für das Ondrup Modell habe ich auch auf die DIN 1451 Mittelschrift zurückgegriffen, die man sich im Internet kostenlos herunter laden kann. Ich habe mich für einen um eine Laterne herum gebauten Dreibock mit Schiene als vordere Stütze entschieden. Ich könnte mir aber auch die Laterne als Befestigungspunkt vorstellen. Vorteil der Mitnutzung einer Laterne ist, bei Modell und Vorbild, die damit vorhandene Beleuchtung des Stationsschildes. Auch die Bahnsteiguhr war nach meinem Eindruck von den Vorbildfotos in das Arrangement integriert. Die Schilder haben eine Breite von 2,3 cm, und eine Höhe von 0,6 cm (entsprichte 2,00 x 0,50 m beim Vorbild).


Laterne, Stationsschilder und Bahnhofsuhr bilden eine Einheit.

Bei diesen Nachforschungen habe ich mich mal wieder in das Thema Schriften bei der Bahn vertieft. Um das nicht zu vergessen schreibe ich es mal hier zusammen und lasse die Blogleser daran Teil haben. Wissenschaftlichen Anspruch erhebe ich nicht, und vieles ist abgeschrieben. Ich würde mich aber freuen, wenn sich einige Stationsbesitzer noch ein paar mehr Gedanken zu diesem Detail machen würden. Immernoch Modellbahnhöfe mit Arial-Beschriftungen zu sehen finde ich persönlich sehr frustrierend.

In der Kaiserzeit waren Schmuckschriften an Bahnhöfen oft zu sehen. Aufgrund der verschiedenen Länderbahnen lässt sich aber nicht DIE Schrift benennen. Bei preußischen Bahnhöfen war z.B. eine Schriftart gebräuchlich, die sich heute mit der Schriftart Tannenberg darstellen lässt. Allerdings haben sich auch bei den Preußen Schriften aus der Privatbahnzeit lange gehalten. In Dülmen kann man auf einem Foto aus dem Stadtarchiv nicht näher definierbare Großbuchstaben erkennen.

Mit der Verstaatlichung und der DRG kamen einheitlichere Schriften. Wer Bahnstationen aus den 1920er Jahren darstellt liegt mit "DIN 1451 Engschrift" meist richtig. Unterschied zur später gebrächlichen DIN 1451 Mittelschrift (DB) sind die schrägen "Dächer" einiger Buchstaben.


In Holtwick war noch bis zum Abriss ein Schild mit DIN 1451 Engschrift vorhanden. Ich hoffe dieses Schild konnte für die Nachwelt erhalten bleiben.

In den 1930er Jahren wurden viele Schriften weiter vereinfacht. Die DIN 1451 Mittelschrift wurde gebräuchlich. Da diese auf langlebige Email-Schilder gedruckt wurden haben sich viele dieser Schilder noch bis heute erhalten, wie die unten zu sehenden Beispiele zeigen. Bis in die 1950er Jahre war diese Schrift auch bei der Bundesbahn üblich.


Am Lüdinghäuser Stellwerk Ln hat sich ein altes Stationsschild mit DIN 1451 Mittelschrift DB erhalten.


In Bork ist eine Variante mit Klammern und kleinerem Stationszusatz angebracht.

In der Nachkriegszeit wurde dann die bis heute am längsten gebräuchliche Schriftart eingeführt. Wahrscheinlich zeitgleich mit dem Aufkommen des "DB-Kekses" im Jahr 1956 ging man zu einer klaren Schrift aus Großbuchstaben über. Über diese Schriftart und wie sie im Modell darzustellen ist findet man im Netz einiges. Ich bin mir sicher, dass es sich um die Schriftart "Erbar Grotesk" handelt. Viele werfen die frei herunterladbare "Bahnhofs Futura" in die Waagschale. Ich halte das für quatsch. Futura Schriften sind den DB Schriften nicht unähnlich, so werden zum Beispiel die spitzen Buchstabenenden dargestellt. Dafür passen die Rundungen nicht, war besonders beim "B" auffällt, der obere Bogen ist zu klein. Erbar Grotesk habe ich leider noch nirgends zum freien download gefunden.
Die Schrift wurde nicht nur für Stationsschilder, sondern auch für viele andere Beschriftungen in Bahnhöfen, wie z.B. Wegweiser oder Gebäudebezeichnungen genutzt. Auch die aus Beton gegossenen Buchstaben am Bahnhof Buldern sind in dieser Schriftart gehalten.


In Bonn-Oberkassel findet man auch heute noch dieses sehr breite und daher zweiteilige Stationsschild am Empfangsgebäude.


Ebenfalls noch vorhanden ist das Statinsschild der Blockstelle Feldhausen in Erbar Grotesk.


Auch das erst gestern aufgenommen Schild von Kattenvenne zeigt herrlich die Eigenheiten der Schriftart.


Und kurz geht es auch. Bork hatte zumindest vor 2 Jahren noch dieses Relikt zu bieten.

Die nächste Schrift wurde Ende der 80er Jahre (evtl. 1986) noch von der Bundesbahn eingeführt. Einher ging die Einführung mit dem Erscheinen der fern- oder lichtblauen Umrandungen der Stationsschilder, die nun mit der Schriftart Helvetica wieder kleine Buchstaben aufwiesen. Sehr schön hat Ralf Büker diese Schriftart dokumentiert, schaut euch mal diesen Link an: www.ralf-bueker.de. Zu sehen gab es aber auch viele alte Schilder, die einfach nur hellblau umrandet wurden. In Coesfeld gab es z.B. solche Exemplare.


Ebenfalls in Bonn-Oberkassel erhalten ist ein Stationsschild mit Helvetica Buchstaben und fernblauer Umrandung.

Seit 1998 hat die DB ihr Design komplett auf das heute gebräuchliche Blau umgestellt. Die Schrift heute ist eine extra hergestellte Abwandlung der Helvetica. Die Bahn AG hat sich diese und viele andere Schriftarten schützen lassen.


Als Beispiel für eine aktuelles Stationsschild zeige ich hier mal Cloppenburg. Deutlicher Unterschied ist auch, dass die Buchstaben nicht auf dem Schild zentriert werden.

Soweit mein Senf zum Thema Stationsschilder. Macht was draus, denn es lohnt sich. Am einfachsten ist es natürlich, das Foto eines Stationsschildes, so man es denn hat, in der passenden Größe auszudrucken.
Am Schluss noch ein besonderes Schild von unserer Hochzeitsreise:


Das Stationsschild der japanischen Bahnstation "Inari" in Kyoto. Weil in Japan mehrere Schriftarten gebräuchlich sind, werden die Stationen stets mit Hiragana, Kanji und lateinischen Buchstaben, zufällig nutzt man auch die Helvetica als Schriftart, beschrieben.

Nachtrag:
Keine Regel ohne Ausnahme. In ganz Deutschland hatte sich bei den Stationsschildern die Farbgebung weißes Schild mit schwarzer Schrift durchgesetzt. Ganz Deutschland? Nein, denn im Ruhrgebiet hatte man irgendwann einen anderen Weg eingeschlagen. Hier war weiße Schrift auf blauem Grund bei allen Schildern üblich, also auch bei den sonstigen Wegweisern und Informationsschildern, die auf einem Bahnhof gebraucht werden, als da wären: Ein- und Ausgangswegweiser, Gleisbezeichnungen, Hinweise über Schaukästen und auch Stellwerksbezeichnungen. Bei den Schriften scheint es sich vorwiegend um DIN 1451 Mittelschrift zu handeln. Mutmaßlich stammt diese Beschilderung also noch aus den 30er Jahren. Es wurden aber in den 50ern noch blauen Schilder mit Erbar Grotesk hergestellt, z.B. in Essen scheinen in den 60er Jahren noch viele Schilder ausgetauscht worden zu sein, wie man hier auf dem Foto von Herbert Schambach auf www.bundesbahnzeit.de sieht. In den 70ern findet man diese Schilder dann aber auf Fotos nicht mehr.


Am Stellwerk Westerholt West Ww hängt noch heute das blaue Stationsschild mit weißer Schrift, sogar der Hersteller ist noch klar erkennbar.

Schon erstaunlich, dass sich diese Farbgebung, vielleicht mit einem um einige noancen dunkleren Blauton, heute durchgesetzt hat.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Fremotreffen Rheda-Wiedenbrück 2015

Die dunklen Monate sind immer Saison für Fremotreffen in unserer Region. Dieses Jahr eröffnete das Neben- und Privatbahntreffen in Rheda-Wiedenbrück den Reigen. Nach einem mehrjährigen Gastspiel in einem Gemeindezentrum ist das Treffen seit drei Jahren wieder in die Parkschule zurückgekehrt.


Seit vielen Jahren das Herzstück des Fremotreffen in Rheda ist der Bahnhof Neulippertor. Hier befindet sich der Hauptsitz der "Westlippischen Eisenbahn", kurz WLE.

Ich selbst habe nur mit einigen Streckenmodulen und einer Hand voll Güterwagen an dem Treffen teilgenommen. Leichtes Gepäck also. So kann man dann aber anderen beim Tragen und Packen helfen. Fürs Spielen ist es egal, wem die Module und Fahrzeuge gehören.


Friedrichstal, eine sehr gelungene Ortsdurchfahrt mit einigen Industrieanschließern.

Thema war eine in Neulippertor beginnende Privatbahnstrecke im Jahr 1965. Neulippertor wurde durch eine Staatsbahnstrecke tangiert, die zwischen den Schattenbahnhöfen Dipperz und Neubeckum betrieben wurde. Dipperz war dabei der mit der Zugbildung betraute Schattenbahnhof, der immer besetzt war, Neulippertor wurde im Selfservice innerhalb des Zugleitbetriebes betrieben. Zugleitbetrieb, da war doch was? Stimmt! In einem Blogpost aus dem Dezember 2011 habe ich das Thema am Ende des Beitrages einmal kurz vorgestellt. Damals haben wir das Verfahren auch beim MEC Dülmen erfolgreich angewendet.


Der Schattenbahnhof Dipperz mit den zur Verfügung stehenden Güterwagen und Triebfahrzeugen.

An der Privatbahn lagen die Betriebsstellen Neulippertor, WiMeBa, Bülthausen, Deutz, Steinhorst, Hilgenberg und Wasserburg. Zum Einsatz kamen Privatbahn Triebfahrzeuge und Güterwagen aller Direktionen. Die gesamte Strecke wurde im vereinfachten Zugleitbetrieb befahren.


WLE Lok DL 0041 mit einem GmP im Bahnhof Bülthausen. Rechts stehen O-Wagen mit Formsand zur Abholung bereit.

Die Staatsbahn bestand aus den Betriebsstellen Dipperz, Friedrichstal, Neulippertor, Holzdamm, Kohlenhafen, Hasselbeck, Asphaltmischwerk und Neubeckum. Zum Einsatz kamen hier Bundesbahntriebfahrzeuge. Absehen zwischen dem Teilstück zwischen Dipperz und Neulippertor, wo Zugmeldebetrieb durchgeführt wurde, war auch hier Zugleitbetrieb angesagt. Das gesamte Arrangement hatte eine Kantenlänge von ca. 120 m und schlängelte sich durch die Flure und drei Klassenräume der Grundschule.


Die Firma Mewegra am Holzdamm.

Der Güterverkehr beherrschte den Betrieb während des gesamten ca. 3 stündigen Fahrplans. Aber auch einige interessante Triebwagendienste waren zu leisten. Die Dienste wurden meist aufgeteilt in Zugführer und Tiebfahrzeugführer. Durch das gemeinsame Fahren der Züge konnte man sich bei den teilweise recht komplexen Aufgaben unterstützen oder ungeübte Fremoikaner anlernen. Auch einige Kinder hatten dadurch Spass am Spiel.


Eine 50 kab mit einem gemischten Güterzug am Abzweig zur Privatbahn.

Ein weiteres Highlight war mal wieder die Möglichkeit gemeinsam zu basteln. In den Pausen und nach Betriebsschluss stand ein Klassenraum zum gemeinsamen Frokeln an Güterwagen und anderen Modellen zur Verfügung. Insgesamt 10 Teilnemer nutzten diese Gelegenheit. Meine Ergebnisse dieser Bastelsession werde ich in Kürze hier präsentieren.


Ein VT 98 hat gleich den Schattenbahnhof Neubeckum erreicht.

Rheda 2016, ich komme gerne wieder!

Für alle die noch nicht genug habe gibt es hier in der Treffengalerie viele weitere Fotos von Arrangement und Fahrzeugen.